Die NSU in Großenhain. Die NPD in Riesa. Ein paar Gedanken

Eigentlich, man wird es bemerkt haben, liegt Riesa nun etwas hinter mir. Ich wollte mich eigentlich auch nicht mehr äußern, so ein unausgegorener Plan. Aber manchmal passieren Dinge, und man denkt: Na gut, wenn es keinem anderen auffällt oder zumindest kein anderer drüber schreibt, dann schreibt man es halt mal kurz selbst auf.

Wir haben: Die Deutsche Stimme, ein Organ der NPD, im schönen Riesa. Wir haben ein Bekennervideo der sich selbst so nennenden NSU in Großenhain. Großenhain ist die Nachbarstadt von Riesa. Ich behaupte keinen Zusammenhang.

Ich behaupte hier gar nichts, ich weise nur auf ein paar Sachverhalte hin, da es mich verwundert, dass, jedenfalls bei intensiver Google-Recherche, noch niemand zusammenhängend darauf hingewiesen hat. Ich stelle hier gleich nochmal fest, dass ich keinen Zusammenhang zwischen der NPD in Riesa und der NSU behaupte. Ich referiere nur Tatsachen. Zuerst jene, dass ich mal einen Text über die NPD schrieb und gleich mehrere juristische Scharmützel folgten. Ich bin freier Journalist. Ich habe keine Rechtsabteilung, nur eine Rechtsschutz-Versicherung. Aber nun zur Sache.

Als langjähriger Journalist in Mittelsachsen habe ich es mir angewöhnt, ist Rechtsradikalismus durch ein besonderes bundesweites Ereignis wieder einmal auffällig geworden, zu googeln. Zwei Begriffe. Riesa und das, was sich gerade ereignete. Was kürzlich dazu führte, dass ich in einem Nebensatz eines Mediums vernehmen konnte, dass die NSU eines ihrer Bekennervideos an die Linken-Geschäftsstelle in Riesa schickte. Es folgte ein Telefonat mit der Linken-Chefin im Riesaer Stadtrat. Ich witterte eine Geschichte: Vielleicht wollte die NSU mit dem Bekennervideo nach Riesa darauf hinweisen, dass sie die NPD oder die „Deutsche Stimme“ cool findet? Das stand seltsamerweise nämlich nirgends, wo doch so viele Menschen gerade zu beweisen versuchen, es gebe eine Verbindung der NPD zur NSU. Andere, nicht ich.

Enttäuschung: Das Video ging nicht nach Riesa, sondern nach Großenhain. In die Linken-Geschäftsstelle der Landtagsabgeordneten Kerstin Lauterbach. Womit es unwahrscheinlich ist, dass die NSU darauf hinweisen wollte, dass sie die NPD cool findet, weil die ihr nahestehende „Deutsche Stimme“ ja in Riesa sitzt, in der Nachbarstadt. Nun ja, trotzdem Anruf in Großenhain, bei Kerstin Lauterbach. Das Video, unscheinbarer Umschlag, kein Absender, kam am 14. November an, und wurde inzwischen von der Polizei beschlagnahmt.

Sonst keine Auffälligkeiten? Nö, keine Auffälligkeiten, außer, nun ja, falsche Adresse. Falsche Adresse? Ja, die Post musste nachrecherchieren, erklärt Lauterbachs Mitarbeiter, die von der NSU verfasste Adresse an die „PDS Riesa-Großenhain“ war überklebt mit einem Aufkleber, auf dem die recherchierte Adresse stand.

Bis 2006 saß die PDS Riesa-Großenhain in der Katharinengasse in Großenhain. 2006 zog die Partei um, damals bekam Kerstin Lauterbach ein Landtagsmandat. Die NSU benutzte also offenbar eine Adresse von vor 2006 – also aus einer Zeit, als es noch nicht den Kreis Meißen gab, sondern den Kreis Riesa-Großenhain. Kreisstadt war Großenhain, deshalb hatte die PDS Riesa-Großenhain dort ihre zentrale Geschäftsstelle. Was also heißen könnte, ich spinne jetzt mal rum, dass die NSU der Linken zeigen wollte, dass sie die Deutsche Stimme oder die NPD gut findet, die ja nach Glauben der NSU ihren Sitz im gleichen Kreis haben. So im Untergrund bekommt man ja nun auch nicht jede Kreisreform mit.

Findet also die NSU die NPD in Riesa gut, wollte ich wissen, schließlich ist da ja eine Frage, die ziemlich viele Politiker gerade umtreibt. Ob die NSU die NPD gut findet, kann man die NSU schlecht fragen, deshalb schrieb ich heute Vormittag eine Mail an den gerade neu gewählten Bundesvorsitzenden der NPD und den Wahl-Riesaer Holger Apfel, der netterweise gleich antwortete.

Auf meine Frage, ob Apfel glaube, „dass die NSU das Video ausgerechnet nach Großenhain verschickte, weil die NPD im Altkreis präsent ist“ und ob er zudem denke, „dass es im Altkreis Riesa-Großenhain Unterstützer der NSU gibt“, erklärte er also Folgendes: „Nein, das glaube ich nicht. Nach meiner Kenntnis, die auf Pressemeldungen und Berichten meiner Abgeordnetenkollegen aus den Ausschüssen beruht, wurden diese Videos an diverse Adressen verschiedenster Parteien verschickt, so daß sich daraus keine regionalen Schlüsse ableiten lassen.“ Apfels abschließender Tipp: „Sie sollten Ihren Blick auch über den Landkreis hinaus richten.“ Das stimmt, ich habe am Anfang ja das Problem schon kurz angeschnitten.

Es gibt also keine Sympathien, geschweige denn Verbindungen, der NSU zur NPD oder zur Deutschen Stimme, sagt Holger Apfel. Ich werde das nicht bezweifeln.

Gerade noch die abschließende Anfrage beim Generalbundesanwalt. Der Sprecher sagt, die DVD aus Großenhain werde noch untersucht. Die „Andeutungen“, die er bei mir herausgehört haben möchte, sei sicher nicht ganz abwegig. Aber es dauere noch ein wenig, bis man dem nachgehen könne. Vielleicht kommt ja was bei rum. Was auch immer.

Ich wollte es nur mal aufgeschrieben haben, dafür ist ja so ein Blog ganz gut.


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Eine Antwort zu “Die NSU in Großenhain. Die NPD in Riesa. Ein paar Gedanken

  1. Du bist ein guter Aufschreiber.

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