Riesa 1.0

Dieses Internet. Unendliche Weiten.

Wäre ja ganz schön, wenn das nicht jeder wüsste, vor allem in Riesa. Seit kurzem hat hier jeder, der bei der kommenden Wahl im Sommer Kandidat werden will, eine eigene Homepage. Und Facebook-Profile. Ist ja alles schön und gut, man kann daraus immer lustige Meldungen basteln, wenn sich dann zwei Kandidaten gegenseitig auf ihrem Profil anpissen. Aber das jetzt geht zu weit. Man ruft als, sagen wir Kandidat, nicht in einer, nennen wir es Redaktion, an und erzählt, dass man bei Facebook mehr, sozusagen, Freunde hat als die Amtsinhaberin. Oder dass man bei Google jetzt weiter oben steht. Aufhören, sonst behalte ich noch weniger teenagerhafte Details für mich, liebe Kandidaten. Ein Anfang ist, dass ich jetzt bei Facebook nicht mehr lesen muss, dass jemand, der da grad um Stimmen wirbt, in einer offenen Beziehung lebt.

Auch die seriöse Riesaer SPD hat eine eigene Homepage. Dort stand vor kurzem geschrieben, dass SPD-Anhänger gerne eine Unterschrift für die Kandidatur des unabhängigen Kandidaten Marco Branig leisten sollen, da die SPD keinen eigenen Kandidaten hat. Ich schrieb daraufhin in einer mir nahestehenden Zeitung, dass die Riesaer SPD den Kandidaten Marco Branig unterstützt. Woraufhin der SPD-Fraktionschef mich anrief und sein Verhältnis zu diesem Internet offenbarte „Sie wissen doch, in diesem Internet steht viel Mist!“ Seine Partei formulierte es am nächsten Tag dann auf der eigenen Homepage etwas freundlicher. Die Wahlempfehlung sei polemisch-satirisch gewesen. Steht SP vielleicht doch für Spaßpartei?

Dieses Internet entdeckt auch ein anderer SPD-Anhänger für sich, der eine eigene, wirklich nicht verlinkenswerte Homepage betreibt, auf der er Riesaer Politikern übel nachredet und ziemlich zwanghaft jedermann zwanghafte Onanie unterstellt. Dann gibt es noch einen seltsamen „Dichter“ aus Coswig, der in allen möglichen Riesaer Onlineplätzen Worte versucht zu Sätzen zusammenzustellen, die meistens üble Beleidigungen ergeben, noch häufiger aber eine unangenehme Art von Mitgefühl erregen.

Warum ich das erzähle? Um zu sagen, dass sich jetzt bitte alle betroffenen Riesaer wieder sammeln und dran denken, dass zwar viel Mist in diesem Internet steht, es aber keine Verpflichtung gibt, diesen zu vermehren.

Wo doch ganze Straßenzüge der Stadt scheinbar überfordert sind, ein Telefongespräch nach den sittlichen Standards wenigstens des 20. Jahrhunderts zu führen, von Sekretärinnen bei Bürgermeistern und Wohnungsbauunternehmen rede ich jetzt mal gar nicht. Es war in der vergangenen Woche, als ich in der Nachbarschaft der sympathischen NPD-Zeitung in der Mannheimer Straße anrief, um zu fragen, wie man es jetzt eigentlich so finde, dass die Straße in Geschwister-Scholl-Straße umbenannt werden soll? Daraus zwei Antwortzitate, wortwörtlich. „Ne, Zeitung nicht gut“, als Ansage, man wolle sich zum Thema nicht äußern. Und: „Ne, Geschwister Scholl ist besser“, als Ansage, man bevorzuge diesen Namen gegenüber der Vorgängeridee, die Straße in „Straße der Weißen Rose“ umzubenennen.

Wenn die armen NPD-Redakteure den ganzen Tag solcherart Gespräche überm Gartenzaun führen müssen, scheint mir ihre Angst vor dem Niedergang des Deutschen irgendwie fast nachvollziehbar.

Ähnliche Sorgen plagen den sympathischen Geschäftsführer eines Wohnungsbauunternehmens in der Stadt, der dem Vernehmen nach gerne mal Menschen am Telefon runtermacht und daher, dem Vernehmen nach, nicht grad als der örtliche Sympathiebär wahrgenommen wird. Er enthob sich kürzlich einer Kritik an seinem Unternehmen, indem er mich auf der Straße darauf hinwies, dass ich einen ziemlich anstrengenden Satzbau pflege. Und ging.

Zum Abschluss dieses kleinen Beitrags zur Vermistung dieses Internets nun noch eine Neuigkeit. Mein Freund Nudelwalther hat sich einen Penisfisch auf die Wade tätowiert. Dazu später hier mehr.

Liebe Riesaer, so geht Online!

Nachtrag: Die erste Version dieses Eintrags war verblüffend voll mit Rechtschreibfehlern. Das war keine Absicht, auch wenn man es so hinstellen könnte. Ich war müde.


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18 Antworten zu “Riesa 1.0

  1. Hallo Ihr Alle!!!!
    Ich beschrifte im Moment,keine Hauswände mehr,
    weil im Moment,die Feigen und Dummen genügend Blödsinn im Internet schreiben!!
    Euer PENISFISCHMANN- Einer ,der den Worten
    (gesprochen o. geschrieben) noch vertraut.
    Chef der Dicken Nudel -Bande

  2. Nils-Eric Schumann

    Wie motivierst du dich fast jeden Morgen, in Leipzig in den ICE zu steigen? Die Riesaer Online- und Echtleben-Blödsinnigkeiten könntest du doch auch aus der Messestadt verfolgen …

  3. hallo herr trappe
    endlich wieder einmal einen neuen beitrag vorzufinden erfreut mein herz! DANKE!
    habe meiner angetrauten schon gesagt, dass die nächsten ferien nach riesa führen werden.
    Sie, herr trappe, machen lust, dieses provinznest mit eigenen sinnen zu erleben…

  4. Gute Idee,
    da werden Sie sehr überrascht sein. Die Riesa-Info hält für jeden Geschmack etwas bereit.

  5. Nils-Eric Schumann

    Lieber sound,
    kommen Sie gerne nach Riesa, aber erwarten Sie kein Disneyland voller Nazis und Provinztrottel zum Begaffen. Mag sein, dass die eine oder andere Uhr in Riesa anders geht und der eine oder andere Riesaer anders ticken mag, aber Vorsicht: Sie könnten trotzdem nicht das Provinznest vorfinden, was Sie erwarten. Um es mit den Augen des Blogbetreibers zu sehen, bedarf es schon eines gewaltigen intellektuellen Hintergrunds … Sonst erscheint Riesa nämlich ganz normal und könnte im Nirgendwo am Neckar oder im Osnabrücker Land liegen … Beste Grüße und seien Sie willkommen … NES

  6. @GT: ist notiert! 🙂
    @NES: selbst ein kind der provinz, liegt es mir fern in gaffer’scher manier durch riesa flanieren zu wollen. das interesse liegt in den verschiedenen, von TT immer wieder beschriebenen örtlichkeit!
    ich werde mir aber Ihre worte zu herzen nehmen, herr schuhmann, denn vor falscher hoffnung auf komische käuze bin ich leider nicht gefeit.
    beste grüsse aus der schweiz
    sound

  7. Dieser Blog gefällt mir sehr!

    Weiter so!

    viele Grüße aus Süddeutschland

  8. Köstlich, wie der französische Blog die Zustände in Riesa verarbeitet: „Es ist, als ob man sich plötzlich in einem Kinderheim wiederfindet und nicht weis, wie man dort hingekommen ist.“

  9. TT, ich bin wirklich etwas stolz auf dich, so viel Publicity! Jetzt fehlt nur noch der Anruf von Lobo oder Häusler, aber was macht dann Riesa ohne dich? 😉
    PS: Es wird wieder mal Zeit für eine kurze Hose.

  10. Kollege Reuther

    Ohne Herrn TT wäre es hier dann recht langweilig…dann müsste ich auch alleine Mittagessen gehen 😉

  11. Facebook ist so schlimm, mittlerweile bekomm ich mit, wenn meine Freunde irgendwo das große Geschäft machen.
    Und von der Sicherheit will ich gar nicht reden…
    Naja. guter Beitrag!
    Gruß,
    Roberto – http://provenremedy.wordpress.com/

  12. Nils-Eric Schumann

    @sound: Lieber Eidgenosse, kommen Sie nach Riesa, aber kommen Sie bald. Nur bitte nicht „Riehsa“ ins Navi oder den SBB-Ticketautomaten eingeben, wo sie doch schon ein „h“ in mein Autorenpseudonym gemogelt haben. Grüezi vielmals!
    @Kollege Reuther: Na, mit Antje könntest du auch noch deinen Mittagstisch teilen. Ganz allein wärest du nun auch nicht gleich in Riesa, wenn der Blogbetreiber endlich Karriere macht.
    🙂 Oder du fährst elbaufwärts zu den Peterles … 😉

  13. Kollege Reuther

    @ Nils: Allein mit all den Mädels??? Mach mir mal keine Angst…;-)

  14. Da dachte ich schon, es würde schwer werden, all die verworrenen Vorgänge in Riesa aus dem Ausland zu verfolgen.
    Doch dem ist nicht so. Und obwohl ich nicht so ganz nachvollziehen kann, wie sich so viel Intellekt in eine solche Stadt verirrt, bin ich Ihnen von Herzen dankbar, dass sie mich- über meinen Zweitgott, das Internet- wissen lassen, dass sich in meiner Abwesenheit nichts geändert hat.
    So werde ich mich, wenn ich in gut einem Monat in meine Heimatstadt zurückkehre, gleich darum bemühen, sie so bald wie möglich wieder zu verlassen. Oder ich demonstriere mit den etwa 5 bis 6 anderen nicht rechtsgesinnten Jugendlichen Riesas auf unserer Einkaufsmeile gegen Rechtsextremismus. Bringt sicher auch was, wenn die Pappschilder nur groß genug sind.
    Übrigens habe ich mir gerade einen großen Popel aus der Nase gezogen, ich dachte, wenn ich das schon auf Facebook veröffentliche, interessiert es Sie vielleicht auch.

    Grüße aus Russland (da gibt’s übrigens voll die fiesen Kommunisten und ich verstehe ja sowieso und überhaupt nicht, warum jetzt alle auf einmal gemein zu NDLern und nationalen Liedermachern sind, wo doch ganz klar auf der Hand liegt, dass man nur nach einem beliebigen Feindbild sucht. Irgendjemanden muss der Mensch ja hassen, unfair, dass es da gerade die Sensibelsten unter unseren politisch engagierten trifft.)

  15. lieber thomas,
    habe gerade einen Prozessbericht gelesen. ich kann die WG wirklich verstehen. was soll sie auch mit einem betriebsrat, der seine arbeit machen will. der soll doch froh sen, dass er überhaupt arbeit hat. und er hat sich auch auch nicht jeden montagbei frau kluge auf knien für seinen arbeitsplatz bedankt. das habe ich aus gewöhnlich gut unterrichteten kreisen erfahren. so eine undankbare person stört dch nur den betriebsfrieden. und dann der name: köhler. geht in riesa ja gar nicht. ich nehme an, dass die WG weiterhin versucht, ihren mitarbeitern rechte zu beschneiden. wer bezahlt eigentlich die prozess- und anwaltskosten. wohl jedes genossenschaftsmitglied mit seiner miete und einlagen. vielleicht sollte überprüft werden, ob frau kluge ihre arbeit im sinne der genossenschaft nd ihren mitgliedern leistet. wenn nicht, kann sie sich ja völlig auf ihr ratsmandat konzentrieren.

  16. Hallo Herr Trappe,
    Hoffentlich sind Sie kein „Abkupferer“,denn wenn man den Link mal anklickt, könnte man Sie dessen verdächtigen?!

    NPD: Rechts unten, rechts oben – Deutschland – Politik – Tagesspiegel
    Die Riesaer nennen die Elbquelle „Köhler-Pimmel“. Es gab auch mal die Idee, einen „Schiefen Turm von Riesa“ zu errichten. Nur, weil sich das auf Pisa reimte …
    http://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/rechts-unten…/1611936.html

  17. Hallo Herr Spies,

    wenn abkupfern bedeutet, in einer Zeitung ein zweites Mal über Riesa zu schreiben, dann habe ich sicher abgekupfert. Ansonsten verstehe ich den Einwurf nicht recht.

  18. Glückwunsch Gerti !

    Nachdem kondolierten die Heuchler und Maden,
    denk’ ich es könnte nun wirklich nicht schaden,
    wenn ich nun noch schnell in einem Gedicht,
    der Gerti ein Lachen bring in ihr Gesicht.

    Drum herzlichen Glückwunsch vom dichtenden Dichter,
    ringsum sieht man reichlich die hängend Gesichter.
    All jene die heimlich auf Marco vertraut,
    den Showdown hast Du ihnen gründlich versaut!

    Beim Beiordnen solltest Du nicht vergessen,
    ein drittel der Wähler war auf Uta versessen!
    Den Marco die Bockwurst würd’ ich nicht groß beachten,
    der kann nun weiter seinen Wolfram anschmachten.

    Was will so ein Würstchen an Filmen noch drehen?
    Den Kasper, den kann doch keiner mehr sehen!
    Und Thoralf mit seinen Fünf- komma- eins,
    der ist nun für alle der blau – grüne Heinz.

    Man wird nun versuchen Dich Mürbe zu machen,
    Trappe und Reuther die wetzen die Waffen.
    Sag allen die munter nun weiter hetzen,
    man kann auch auf andere Partner setzen!

    Zehntausende Euros zu Werbezwecken,
    andere würden die Hände ausstrecken.
    Wer die Stadt sabotiert mit Miesmacherei,
    der ist beim Verteilen eben nicht mehr dabei!

    Ich wünsch Dir viel Glück und Gesundheit zum Schluss,
    Gottes Hilfe und Segen für sieben Jahre x – plus?
    Ich denke du packst das wie sehen uns dann,
    vorm Rathaus bei Eislauf und Weihnachtsmann.(?)

    Dichter

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