Postgeheimnis

Ich bloggte hier vor kurzem darüber, dass ein Rathausmitarbeiter auf eine Mail des NPD-Landtagsabgeordneten und sympathischen Riesaer Stadtrats Jürgen Gansel mit ARSCHLOCH antwortete. Es handelte sich um den Finanzbürgermeister Markus Mütsch, der seitdem offenbar immer mehr Lust daran entwickelt, auf Gansels Mails zu antworten. Nun wandte sich Gansel hilfesuchend, jawoll, an mich, weil er nicht mehr ein noch aus wusste. Er kriege da immer so Mails.

„Sehr geehrter Herr Trappe“, schreibt Gansel und schimpft über den Bürgermeister. „Herr Mütsch ist dazu übergegangen, wirklich jede Presseerklärung der NPD mit einem saudummen Kommentar zu versehen und mir umgehend zurückzumailen.“ Jetzt habe Mütsch das schon wieder gemacht, so Gansel weiter, diesmal als Entgegnung auf eine Presseerklärung Gansels, in der es um den Wiederaufbau der Riesaer Schlossbrücke geht, die einst von den Nazis aus irgendwelchen Gründen gesprengt wurde. „Hätten Ihre geistigen Väter die Brücke nicht 1945 gesprengt, müssten wir die Brücke jetzt nicht wiederaufbauen“, reagierte Mütsch nämlich.

Nun wieder Gansel an meine Adresse: „Damit sollen absurderweise wohl die ‚Nazis‘ gemeint sein“, ja, die Nazis setzte er in Anführung. Jetzt habe Gansel frech zurück geantwortet, berichtete er mir stolz, und zwar so: „Hallo Herr Mütsch, da sich Ihre peinlichen Ausfälle auf meine Presseerklärungen häufen, habe ich nur zwei Fragen: Welche Tabletten nehmen Sie eigentlich, und wer ist Ihr Psycho-Doktor?“ Wer grad die Übersicht verloren hat, sei beruhigt, es spielt keine Rolle.

Die Informationen Gansels an mich münden nicht direkt in einer Frage, trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, er erwarte von mir einen Tipp. Weiß jetzt auch nicht, was ich sagen soll, aber vielleicht könnte die NPD sich ja irgendeinen kreativen Protest ausdenken. Vielleicht irgendwas mit Hitler und Flugblättern.

Weniger gut gesonnen als der um den persönlichen Austausch bemühte Gansel sind mir seine Parteifreunde in Strehla. Jedenfalls entnehme ich das der Pressemitteilung, die unter anderem mich zum Thema hatte. Der Vorwurf lautete, dass ich nicht den Strehlaer Stadtrat besuchte (es gibt merkwürdige Dinge, die in Strehla als vorwerfbar erachtet werden). Das Gremium beschäftigte sich auf Antrag der NPD mit dem Thema „Ordnung und Sicherheit“ in Strehla, einer Stadt, in der ab und an mal ein Fahrrad umfällt, sonst aber nicht viel passiert.

„Die Presse interessiert sich ganz offensichtlich nicht für die öffentliche Sicherheit und Ordnung in Strehla“, hieß es in der Presseerklärung, „denn es war kein einziger Pressevertreter anwesend. Selbst der eifrige Lokaljournalist der Sächsischen Zeitung, Thomas Trappe, immer darum bemüht, neue Formen der ‚Strehlaisierung‘ unserer Gesellschaft aufzuspüren [er meint damit den ganz normalen Umgang mit NPD-Positionen und -Vertretern], ersparte dem Stadtrat diesmal das zweifelhafte Vergnügen seiner Anwesenheit.“ Schön, wenn man bemerkt wird.

Im Nachgang erfuhr ich vom Polizeichef, dass es einzig bei den Discoschlägereien in Strehla 2009 einen signifikanten Anstieg gegeben habe. In einem Lokal, das der seit einem Jahr in Strehla lebende NPD-Stadtrat Schreiber mir gegenüber übrigens mal als seine Lieblingsgaststätte bezeichnet hat, aber es ist auch die einzige in der Stadt.

Da wir gerade so schön aus Mails lesen, können wir uns wieder nach Riesa wenden und ein schönes Beispiel der Strehlaisierung skizzieren, soll heißen, den völlig normalen Umgang mit NPD-Positionen und -Vertretern. Der beliebte Stadtrat Dr. Arzt, der im Übrigen vorvergangene Woche aus Protest aus der CDU-Fraktion ausgetreten ist, schrieb während meiner Abwesenheit eine Mail an Jürgen Gansel, wie Jürgen Gansel später stolz in einer Mail mitteilte, der der gesamte Mailwechsel angehangen wurde. Sinngemäß hieß es da, dass Jürgen Gansel, wäre er nicht rechtsextrem, eigentlich oft ganz vernünftige Positionen vertrete und Dr. Arzt dann auch mal applaudieren würde. Wird hier etwa riesaisiert?

Und weil es hier gerade so viel um mich ging, verweise ich noch auf die stark befreundete Bloggerkollegin Ulrike Thiele, die es als Provinzkind für nötig erachtete, mich über Riesa auszufragen und sonst Schönes zum Lesen bietet.


Flattr this

Advertisements

Eine Antwort zu “Postgeheimnis

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s