„ARSCHLOCH“

Als Adolf Hitler in seiner zweiten Legislaturperiode die Völker der Welt herzlich zum Zweiten Weltkrieg einlud und sich bald darauf über die zahlreich erschienenen Gäste freuen konnte, ahnte er vielleicht noch nicht, als wie undankbar sich diese danach herausstellen sollten. Schließlich erinnerten sich die diversen Teilnehmer des Krieges später viel lieber an dessen Ende als an seine Eröffnung. Ein bisschen wie bei Karstadt.

Auch in Strehla bei Riesa an der Elbe wird am 23. April dem Ende der Kriegshandlungen in der Region gedacht. Am 25. April 1945 war es, als sich hier Sowjets und Amerikaner am Elbufer trafen und Hände schüttelten, den Rest jetzt mal bitte selber nachschlagen. Erinnert wird daran nun am Freitag mit einer Veranstaltung, zu der auch russische und amerikanische Gäste geladen sind. Noch geladener allerdings wird Peter Schreiber von der sympathischen NPD sein, der in seiner Eigenschaft als Strehlaer Stadtrat eigentlich die Begrüßungsrede für die internationalen Gäste halten wollte.

Einen entsprechenden Antrag stellte er im vergangenen Stadtrat. Schreiber bezog sich in seiner Argumentation auf das, was ich oben umriss. Er argumentierte, dass „wir Deutsche an diesem historischen Ereignis doch auch nicht ganz unbeteiligt“ gewesen seien – ihm ist da uneingeschränkt Recht zu geben. Daraus ergebe sich wohl geradezu die Pflicht, „auch aus deutscher Sicht ein Grußwort zu sprechen“.

Schreibers Antrag kam nicht durch. Alle Stadträte, bis auf eine Strehlaer Apothekerin, die den Antrag nicht ablehnte, fanden das Anliegen zu durchgeknallt, so jedenfalls interpretiere ich das Abstimmungsverhalten. Herauszufinden, warum die Strehlaer Apothekerin das nicht durchgeknallt fand, gilt es noch. Zunächst sei hier aber das Erklärungsmuster anzuwenden, dass die Strehlaer Apothekerin strehlaisiert ist. Zugleich distanziere ich mich von dem Wort Strehlaisierung, das diskriminiert nämlich Strehla.

Nun steht in der Überschrift das Wort „Arschloch“, das gegen NPD-Stadträte vorgebracht sicher als justiziabel einzuordnen ist und deshalb von einem Rechtsstreiten gegenüber ängstlich eingestellten Journalisten wie mir so nicht benutzt wird. Es wird im folgenden zitiert, und zwar aus dem Riesaer Rathaus, wenn auch nicht offiziell.

NPD-Stadtrat Jürgen Gansel jedenfalls erhielt als Antwort auf die Presseerklärung, die NPD wolle Russen und Amerikaner 2010 herzlicher empfangen als ihre Vorgänger 1945 das taten, auch von einem der drei Riesaer Bürgermeister eine ziemlich herzerfrischende Replik, die vom üblichen Amtsdeutsch doch recht deutlich abweicht. „ARSCHLOCH“ lautete ausweislich des Mailwechsels, den Jürgen Gansel an die Presse weiterleitete, die einwörtige Antwort aus der Verwaltung. Sollte die Mail nicht gefälscht sein, und ich gehe bisher davon aus, kann von einem Strategiewechsel im Umgang mit der NPD gesprochen werden, der irgendwie sympathisch offensiv wirkt.

Leider geht aus der Mail nicht hervor, ob nun Jürgen Gansel als „ARSCHLOCH“, Peter Schreiber als „ARSCHLOCH“, oder gleich die gesamte NPD als „ARSCHLOCH“ bezeichnet wurde. Auch ich will mir nicht anmaßen, das zu beurteilen, zumal ich das Wort „ARSCHLOCH“ im Zusammenhang mit der NPD nie verwenden würde.

Soviel zum Thema Google-Optimierung.


Flattr this

Advertisements

5 Antworten zu “„ARSCHLOCH“

  1. Pingback: Tweets that mention „ARSCHLOCH“ « Thomas Trappe -- Topsy.com

  2. Vielen Dank für Deine investigativen Einblicke in die diese, meist nicht wahrgenommenen Teile, unserer Republik.

    Ich muss gestehen, dass ich selten so sehr über dieses banale Wort „Arschloch“ gelacht habe.

  3. 😀
    Moin,

    es reicht allemal für Platz 8 von „ungefähr 16.300 für Arschloch npd (0,14 Sekunden) “ bei Google während es bei Bing ganz finster aussieht, da kommt erstmal reichlich eNPeDe-Zeugs. Soviel zum Thema „jenseits von Google war doch was…“ 😉

    Beste Grüße
    Marc

  4. Man könnte ARSCHLOCH auch mit der Bezeichnung für eine bekannte einheimische Baumfrucht abkürzen. Davon gibt es welche Auf der Obstplantage.

  5. Pingback: Postgeheimnis « Thomas Trappe

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s