Wessi-Alpen

An diesem Wochenende wird in der berühmten Riesaer Erdgasarena das Herbstfest der Volksmusik, die beliebte ARD-Show, aufgezeichnet und schließlich versendet. Florian Silbereisen wird seine beliebten Kapriolen abhalten, heißt es in der entsprechenden Pressemitteilung, aber viel wichtiger: Michelle kommt. Das „Schlagersternchen“ nannte ich sie keck in der Meldung, die ich dem Anlass entsprechend schrieb, in der Hoffnung, da den treffenden Beinamen gewählt zu haben. Allzu tief in die Materie will man sich ja dann doch nicht vertiefen, das machen andere.

Michelle übrigens war offenbar lange weg, stand in der Pressemitteilung, jetzt wird’s in Riesa ein Comeback werden. Sie kommt nur zurück, um ihre letzte Saison zu beginnen, wurde weiter erklärt. Zurückgekommen, um wieder zu gehen, könnte man sagen. Oder: Schlagersänger verenden in Riesa.

Von Schlagersängern zu anderen Revanchisten. Der sympathische NPD-Stadtrat Jürgen Gansel rief mich an und entschuldigte sich für den späten Rückruf. Er habe meine Mail (er muss sich da verhaspelt haben, eigentlich redet er sonst von E-Post) gerade erst gelesen, jetzt stehe er aber gerne Rede und Hitler Antwort.

Ich fragte Gansel kürzlich, wie viele NPD-Mitglieder eigentlich in Riesa sesshaft geworden sind inzwischen. Anlass war die Grundfrage, ob Riesa ein NPD-Nest ist oder ob das weniger wird? Gansel meint, es werden zwar tendenziell eher weniger Mitglieder, nämlich 35, aber trotzdem sei Riesa freilich ein NPD-Nest. Weil nämlich man in Riesa nicht von den lästigen Anti-Rechts-Kampagnen durch das Rathaus belästigt werde (außer jenen „pflichtschuldig abgespulten“, so Gansel), die Bürger kein Problem mit NPD haben und sich die CDU hüte, Schlechtes über die NPD zu sagen, da sie sonst Wähler verliere.

Man muss es leider sagen, aber da war nicht so viel Dummes dabei, was der Gansel hier sagte.

Gansel ist zwar auch Wessi. Doch so verscherzt wie der Wessi, der den Riesaer Leser, von dem jetzt die Rede sein wird, auf den Alpen traf, hat es sich Gansel hier in der Stadt noch nicht. „Der Wessi spinnt“, schrieb der entrüstete rüstige Rentner als Arbeitstitel über seinen Leserbrief. Der Leser nämlich bat den Wessi vor zwei Wochen, ihn, den Leser, digital zu knipsen und dabei schön rumzuzoomen. Der Wessi knipste nur und zoomte nicht – und ward zum besagten „Spinner“. Ein anderer Wessi wurde auch noch „typisch unverschämt“ und „drängelte sich aufs Bild“.

Früher, meinte der Leser, hätte es sowas nicht gegeben, in den Alpen.

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3 Antworten zu “Wessi-Alpen

  1. Früher gab es auch viel weniger Wessiprolls auf Malle 🙂

  2. Also bei den Stichwörtern Gansel und Schlagersternchen fällt mir ein Haiku ein, das mir der Großpapa von Wolfgang Manfred Martin Wagner mal in einem elsässischen Puff nahe der Wolfsschanze verraten hat. Wir tranken gemeinsam mit Franz Liszt eine Brause und waren unter Beschuss. Später mussten wir uns dann ins Separé zurückziehen. Das Haiku, das mein Leben für immer verändert hat, geht so:

    Der alte Gansel
    Michelle nimmt ihn in den Mund
    Ein Blatt fällt ins Meer
    Trauer überall

  3. Also bitte, ich verbitte mir solche Unterstellungen.

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