Heut mal für die Kleinen

Nehmen wir den berühmten 20. Jahrestag oder die Bundestagswahl als Anlass für diesen Einstieg. Und zwar erklärt der SPD-Fraktionschef im Riesaer Stadtrat endlich einmal, warum er generell jeder Vorlage der Verwaltung zustimmt. Und zwar: Weil sie ja von „Fachmännern im Amt“ ausgearbeitet wurde. „Dann wird das schon richtig so sein“, ließ er sich vernehmen. Vielleicht erklärt das nicht nur die Beschaffenheit der Riesaer SPD, nein, vielleicht auch Frank-Walter Steinmeier. „Der wird schon richtig sein“, mögen sich in der Partei manche beim Anblick seines Beamtenscheitels gedacht haben.

Aber was soll dieser Ausflug in die Bundespolitik, wo mich mein Freund Lutz „Nudel“ Walther gestern „in den Puff“ eingeladen hat? Er meinte das eher launisch, denn ich kenne gar keinen Puff in Riesa (was nicht viel heißen muss). Hernach erklärte mir anschaulich, warum man auch mit wenig Geld ganz gut auskommt. Positionierte sich und sagte, dass er gerade zwei Päckchen Kaffee gekauft hat und eine Wurst aß. „Da bin ich bei zwölf Euro, mehr kommt heut nicht mehr.“ Leben kann so schön sein, wenn man es rational angeht, so wie mein Freund Lutz.

Im Übrigen kam Lutz auf mich zu, um mir zu danken, dass ich geschrieben hatte, „Nudel ist der größte Riesaer Promi“, noch vor dem Sport und dem Stahl. Die Schlagzeile resultierte aus einer Umfrage der örtlichen Touristen-Information, was Gäste mit Riesa verbinden. Nudeln, Sport, Stahl waren die häufigsten Antworten, Kultur die seltenen, Zündhölzer die gar nicht angekreuzten. In erheblicher Diskrepanz zu den Angaben im gleichen Fragebogen von einheimischer Seite. Zehn Prozent der Riesaer assoziieren ihre Stadt mit den in Polen hergestellten „Riesaer Zündhölzern“. Vielleicht sollte man neben der „Sportstadt“ und „Stahlstadt“ auch noch den Beinamen „Zündelstadt“ etablieren, mögen sich diese zehn Prozent denken. Und schon sind wir bei der NPD.

Da es über die gerade nicht viel zu sagen gibt, außer, dass sie mit einem Stand heute wieder gut verankert auf dem Marktplatz um Liebe wirbt, versuche ich mich ausnahmsweise mal in einem journalistischen Stil, der an Relevanz zu gewinnen scheint (heute tat es erst wieder die Süddeutsche): Kinderjournalismus. Ich erkläre aufgrund fehlender Nachrichtenlage die NPD für kleine Hosenscheißer.

Liebe Hosenscheißer! Ihr kennt die schlaksigen Männer, die immer versuchen, Bushaltestellen anzuzünden, vor eurer Schule Entenmangas und lustige Schulhof-CDs verteilen und häufig im Döner-Imbiss abhängen. Ihre Freundinnen haben ihre Haare meist gar nicht schön. Das ist oft die NPD. Die NPD ist eine Clique, die will, dass alles wie früher ist. Nicht das Früher, von dem eure Eltern so schwärmen, sondern das Früher, von dem eure Großeltern so schwärmen. Einige der Jungs, die Euch Entenmangas andrehen, sitzen an manchen Abenden im Riesaer Kloster. Dort ist Stadtrat, sowas wie das Lehrerzimmer der Stadt. Einige der Jungs sitzen auch noch im Landtag, das ist das Lehrerzimmer von Sachsen. Sachsen, das ist das Land, wo die Züge hinfahren, die ihr immer am Bahnhof seht.

Naja, und jetzt wollen die mit den Entenmangas gerne in das Lehrerzimmer von der Bundesrepublik. Bundesrepublik, das ist das, wo die vielen Wessis wohnen, auf die euer Onkel immer schimpft. Um da (in das Lehrerzimmer) reinzukommen, wollen sie gerne, dass eure Eltern, Großeltern und später auch Ihr bei der Wahl (das ist das, wo die Eltern von einem Drittel eurer Freunde beim letzten Mal mitgemacht haben), die NPD gut finden. Deshalb verteilen sie Entenmangas, fordern die Tötung von Kinderschändern (außer jenen, die Entenmangas verteilen) und wollen, dass alle Arbeit haben (was daran gut sein soll, versteht Ihr später). Und sie sind gegen Ausländer. Ausländer, das ist etwas kompliziert, aber vielleicht kennt ihr das aus dem Fernsehen? In vielen Städten leben die, in Riesa gibt es nur sechs. Naja, und die sollen raus, sagt die NPD, damit die 7000 Arbeitslosen der Stadt sich deren Jobs teilen können.

Uff, gar nicht so leicht, Kinderjournalismus.


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