Kuhbläke

Riesa stank heute etwas, ich muss das mal so sagen dürfen. Nach Erbrochenem, die ganze Stadt. Käme eine Nase, sagte sie zu Riesa: „Eh, wie bescheuert kann man sein?“ Sagte aber nicht die Nase zu Riesa, sondern die Mutter unten unterm Fenster zum Sohne, der alle zwei Wochen just in meinem Sichtfeld versucht, seiner Mutter, gehandikapt durch schon neuen Nachwuchs, zu entwischen. Meist auf einem Kinderrad mit Stützrädern und ohne Blick auf die gut befahrene Hauptstraße, die er auf der Flucht überquert. Die Mutter verwünscht dann Leo, so heißt er, recht deutlich und fragt immer, ob es noch ginge? Und meist auch noch: „Ehr, eh, der ist so blöd“. Mag sein, aber jetzt mal an die Ursachenforschung, junge Dame! Weiter will ich das Ganze gar nicht einordnen müssen.

Trotz des Kotze-Geruchs in der ganzen Stadt ging mir heut der Sinn nach Bratwurst, es war wohl so gegen drei. Es gibt da nämlich einen ziemlich originellen Senfladen in der Innenstadt, wo es rund 700 Senfsorten und eine Sorte Bratwurst unten drunter gibt. Ich werd den Laden bei Gelegenheit mal an dieser Stelle vorstellen. Ist jetzt aber zu spät, denn er hat heute für immer geschlossen. Der Altenburger Besitzer sagte mir zur Entschuldigung am Telefon, das Wurstgeschäft in Riesa laufe zu schleppend und verwies noch fix darauf, dass Riesa sowieso eine „Kuhbläke“ sei. Das Internet klärte mich später auf, dass „Kuhbläke“ wohl ein abwertendes Wort für scheiß Provinznest ist.

Das stand dann aber nicht so in der Zeitung zitiert, denn was wäre die Folge? Mindestens ein Verwaltungsbeamter würde mich am nächsten Tag beschimpfen, was ich gegen Riesa hab und dass ich ja offenbar nicht von hier komme. Riesa ist keine „Kuhbläke“, heißt es dann wieder gleich mit dem Nudelholz in der Hand. Schließlich war in Riesa schon mal Axel Schulz und es hält hier ein ICE, und die Elbe fließt durch. Schönes Riesa, blöder Schurnalist aus Leipzig!

Riesa ist sogar mehr, erfuhr der schmerzfreie Leser neulich auf meiner Seite – in der Leserbriefspalte. „Riesa bestimmte über Jahrzehnte das kulturelle Leben Deutschlands“, stand da unterstellt. Belegt mit zahlreichen Beispielen aus aller Welt, die nach Riesa kam. Nein, dieses Riesa muss sich nicht verstecken, und schon gar nicht eine Kuhbläke nennen lassen!

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Eine Antwort zu “Kuhbläke

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