Rumgeduzt

So ist ja einige Tage nichts passiert. Das hat jetzt aber nicht unbedingt Gründe. Dabei ist einiges passiert im schönen Riesa. Ein NPD-Mensch schimpft weiter auf den Gansel und möchte gerne zur CDU übertreten. Holger Szymanski vom Referat Recht der NPD Sachsen wiederum sucht sein Heil neuerdings im System, genauer gesagt in der OSZE. Aufgehübscht hat er nämlich meinen Spam-Ordner diesmal mit der Forderung, dass diese doch demnächst die Wahlen in Riesa beobachten soll, viel zu sehr konzentriere sich die Welt gerade auf den Iran. „Nach einer erneuten Überprüfung der Zähllisten der Riesaer Stadtratswahl im Landratsamt Meißen ist der NPD nun erfreulicherweise ein weiteres Mandat zugefallen“, schreibt er und fasst die Lage damit recht pointiert zusammen.

Und lobt mich, wenn auch nur indirekt. „Der ‚Sächsischen Zeitung‘, die zu 40 Prozent der SPD gehört, war der Vorgang offenbar so unangenehm, daß sie die entsprechende Meldung bisher nicht auf ihre Netzseite stellte, sondern nur in der Druckausgabe am Sonnabend veröffentlichte.“ Duz-Freundschaft, ich hör dir trapsen.

Apropos Du. Ein Kegler beschimpfte mich des letztens, „Du hast da aber was nicht richtig verstanden“. Er monierte damit, dass ich die Ergebnislisten des letzten Kegel-Weltcups in Riesa, die ein anderer Kegler mir freundlicherweise in Bibel-Fette zukommen ließ, nicht vollständig und vor allem als Leserbrief gedruckt habe. So war’s nicht gedacht, meinte er. Und dachte schnell, ich komm ja nicht aus Riesa, ich kann’s nicht besser wissen.

Weiterhin baten mich werte Leser, wahlweise ehrenamtliche Institutionen oder missliebige Personen publizistisch zu vernichten, sie hülfen da gerne. Der originellere zuerst. Ein Mann erklärte mir, er habe Hausverbot im Pflegeheim, einem involvierten Sohn missliebe der Umgang des Betroffenen mit der Mutter. Inzwischen beteiligt am Fall seien drei Polizeistationen und mehrere Staatsanwälte. Machte mich als Journalisten allerdings hellhörig, das muss ja ein schlimmer Fall von Kontaktsperre im Pflegeheim sein.

Zum Glück erwähnte der Mann schnell, dass allesamt gegen ihn ermitteln. Sei aber nicht schlimm, einen der Polizisten, der ihn einst festnehmen wollte, kennt er per Du. Und zwar stimme es, dass er früher mal 4000 Euro vom Konto der Dame abhob und sie in sein Schließfach sperrte. Aber, und ich zitiere wahrheitsgetreu: „Welche alte Frau will denn ihr Geld nicht am liebsten im Kopfkissen verstecken?“ Da sie’s nicht mehr kann, habe er eben geholfen. Von dem Geld im Übrigen könnte er die Beerdigung der Frau zahlen. Kann er immer noch, weil das Geld lagert ja bei ihm. Achso, vernichten sollte ich übrigens das Pflegeheim.

Zweiter Fall: Freundin vom Sohn ist eine blöde Kuh und räumt die Bude nicht auf. Mit Fotobeweis: Auf dem Bild sah man einen vierjährigen „Säugling“, der inmitten neben einer Wäschetruhe hausen musste, und außerdem stand noch eine Kiste im Zimmer, vollkommen deplatziert. Hier zu vernichten: Der Betreuungsverein und die Betreute. Wer so seine Wäsche aufhängt, verdient auch kein Kindergeld, wurde erklärt.

Nun hat das alles ja wieder wenig mit der NPD zu tun, deshalb soll sie hier fairerweise nochmal zu Wort kommen. Holger Szymanski will nämlich nicht nur die OSZE in Riesa, sondern auch die Freien Radikalen in den Wahlvorständen, um künftig Wahlbetrug zu verhindern. Und frohlockt: „Für die ehrenamtliche Tätigkeit gibt es z.B. in Dresden ein ‚Erfrischungsgeld‘ je nach Tätigkeit zwischen 20 und 50 Euro“.

Die Anzeige wegen Wahlbetrugs ist übrigens in Dresden gestellt, überraschenderweise kam sie an. Überraschend deshalb, weil mir ein Staatsanwalt erklärte, die NPD kündige in Presseerklärungen zwar recht gerne an, dass sie jemanden verklagt, schaffe es dann aber häufig nicht, die Anzeige an der richtigen Stelle einzureichen. Oft wüssten sie nur, dass eine Behörde zuständig ist, so dass sich der Brief erst mal nach Dresden finden muss. Diesmal lief’s offenbar etwas glatter, eine Woche nach der Erklärung war die Anzeige beim Staatsanwalt.

Und, weil ich grad so schön in NPD-Presseerklärungen versumpfe, noch ein schönes Zitat zum Abschluss, das freilich meinen Wortwitz vom Anfang konterkariert. Die NPD bittet nämlich nach Posterhalt und -lesung zu beachten: „Dieser NPD-Infobrief ist kein Spam! Sie erhalten diesen NPD-Infobrief, weil Sie sich in einem unserer NPD-Verteiler dafür angemeldet haben.“ Also ich höre da einen Vorwurf raus.

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