Ein Quäntchen mehr Liebe bei der NPD

Riesas Stadtrat ist bunter geworden, von grün bis braun ist nun fast alles vertreten. Grün ist neu. Bei der alten Dame NPD ärgert man sich nun recht, dass es nichts geworden ist mit dem dritten Mandat, im Gegenteil, man hat sogar eins verloren. Jürgen Gansel wird jetzt also Riesaer Stadtrat, seine künftigen Kollegen wollen aber noch nicht den Stab über ihn brechen. Vielerorten heißt es in den gegnerischen Fraktionen, man muss ihn erst mal kennenlernen, man wisse ja nicht, ob der Stadtrat-Gansel dem Landtag-Gansel gleicht. Ist zu hoffen, denn sonst hieße es ja, dass Herr Gansel ab und an mal einen Fraktionskollegen verkloppen will. Und den gibt’s ja nicht und schon: Triebabfuhr in benachbarten Fraktionen. Oder er macht gleich aus mir von der Systempresse Hackfleisch.

Wie gesagt, einigermaßen enttäuscht ist man bei der NPD über das Riesaer Ergebnis. Und gibt gutes Beispiel, wie lieb man sein kann. In einer anderen sächsischen Gemeinde musste nämlich gelost werden, ob ein NPD-Kandidat oder der SPD-Mann in den Stadtrat kommt, Grund gleiche Stimmenzahl. Die NPD machte das Rennen und kommentierte in der entsprechenden Pressemitteilung: Die NPD hatte ein „Quäntchen mehr Glück“ als die SPD. Irgendwie erinnert mich „Quäntchen Glück“ eher an gelbe Entenbabys, denen ein Schokokeks über den Weg rollt, und nicht so sehr an die NPD. Aber vielleicht geht das nur mir so? Bald enden NPD-E-Pöste noch mit einem: „:)“ oder „lol“. Denn wer „Quäntchen“ sagt, schreibt auch irgendwann „:)“ und „lol“.

Ein umgekehrter Fall von unangebrachter Wortwahl ereignete sich im Zug nach Riesa. Der Schaffner entschuldigte sich per Mikrofonanlage für die „schwere Zeit, die hinter uns liegt“. Klang ein bisschen nach Atomschlag, gemeint war aber der Ausfall der ICEs mit Neigetechnik. Zur Wiedergutmachung gab’s Bitterschokolade, überreicht mit einem Blick, der sich mit: „Hier! Schokolade! Essen und Füße runter!“ übersetzen ließ und gar nicht mehr an die Zerknirschtheit ob des defekten Zugs erinnerte. Doch nicht alle Schaffner sind böse, nur viele.

Wenig wohlgesonnen war mir heute ein Bürgermeister im Rathaus (es hat da mehrere, ist dazu zu erklären). Als ich ihn das dritte Mal anrief, um zu fragen, warum sich die ihm untergebenen Wahlmänner beim Stimmenauszählen bei einer Kandidatin gleich um etwa 50 verzählt haben, erklärte er mir, dass ich Telefonterror betreibe, oder jedenfalls etwas, was stark daran erinnert. Er wolle das nicht mehr, könnte ich nicht bitte die Pressestelle belästigen demnächst? Nun weiß ich, wie sich Stalker fühlen, wenn man ihnen sagt, sie seien Stalker. Wahrscheinlich wie Journalisten.

lol 😉

Nachtrag vom 12. Juli

Man sagt wirklich „E-Post“ bei der NPD, wenn man denn E-Mail meint. Erfuhr ich ganz persönlich von Herrn Gansel, der mich anrief, um mir zu sagen, dass man bei seiner sympathischen NPD nach meiner Berichterstattung über Unregelmäßigkeiten bei der Stimmauszählung auf die Idee gekommen ist, eine Neuauszählung zu beantragen. Da freut’s ein doch, man hilft ja, wo man nur kann. Uff. Er, Gansel, werde jedenfalls die entsprechende Information noch mal per E-Post an die Redaktion schicken. Zum Abschied sagte Gansel dann nicht, wie ich es vermutet hätte, „Auf Wiederhören“ oder „Jawoll“, sondern „Tschüss“. Vielleicht lag ihm sogar ein „Tschüssi“ auf der Zunge, ich trau ihm da viel zu.

Advertisements

2 Antworten zu “Ein Quäntchen mehr Liebe bei der NPD

  1. Das Hackfleisch ist echt widerlich.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s