Lieblos

Was passierte, wenn ein Bäcker für den kleinen Hunger sorgt und die Kinder zahlreich Kreide malen? Entweder der Bäcker bäckt schlecht und die Kinder mit ihrer Kreide haben bedenklich wenig Fantasie – oder es trifft ein wenig sprachbegabter Praktikant auf einen legasthenischen Pressesprecher, beide vereint in ihrer Wut auf diesen verfickten Konrad Duden und in gemeinsamer Arbeit an einem Zeitungsartikel. Aber darum soll es heute gar nicht gehen.

Auch nicht um Zugfahrten im Regionalexpress von Stralsund nach Falkenberg, die komplette Linie RE5 ist das. Und die Erfahrung, was so ein Leben doch anrichten kann: Leere Lebenserfahrung, die die Umgebung mit Nichts füllt und alle zuhörenden jede Minute ein Stückchen dümmer macht.

Sondern um das Dilemma, eigentlich ein ganz Netter zu sein und gerne gemocht zu werden, sich aber aus unerfindlichen Gründen dafür entschieden zu haben, Journalist werden zu wollen. Andere schneiden Haare, der Beschnittene freut sich drüber und fühlt Sympathie und Liebe, vielleicht sogar erotische Zuneigung dem Frisör gegenüber. Oder der Bäckersfrau und dem Bulettenverkäufer. Sie alle werden grenzenlos vergöttert ob ihrer netten Dienstleistung (außer die dumme Kuh im Netto-Bäcker und der Grill-Hitler in der Südvorstadt, aber das sind eben die berühmten Ausnahmen).

Nicht so der Schournalist: Er beantwortet Fragen, die nie jemand gestellt hat und schreibt über Riesenpappeln, die schlimmer als Stalin sind und die drohen, mit willkürlichen Ast-Abwurf das halbe Dorf zu vernichten, zumindest den Kleingärtner, der unterm Baum gärtnert. Und am Ende ist das Rathaus schuld. Dabei weiß man ja eigentlich viel besser, wie das ist. So ein Baum ist nicht böse, die Stadtverwaltung kann nicht viel dafür, warum soll sie denn diesen schönen Baum umbringen? Und würde ich diesen Trappe nicht auch hassen, wenn er mich täglich mit solchen dämlichen Fragen vom Riesa-Durchregieren ablenken würde? Ja, und vollkommen zu Recht.

Man schreibt nichts Falsches, aber trotzdem sind alle beleidigt. Und am Ende des Tages muss man sich anhören, dass man grad die einzige Hochschule am Ort in den Ruin geschrieben hat. Das will man nicht, wo man die Hochschüler mag und noch viel schlimmer, fast schon ein Verhältnis, das man freundschaftlich nennen kann, zu jener Person unterhält, die einem des Hochschulmobbings bezichtigt. Und einem klar wird, dass die einzige Person in dieser Stadt, die mich nicht hasst, gerade anfängt, mich zu hassen.

Und jetzt noch einen Tipp aus dem neuen Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts. Aufkleber sind out. Weder gehören sie auf Computer, noch Radios, und schon gar nicht an Hauseingänge. Und wenn man es nötig hat, auf seinen Briefkasten zu schreiben „Keine Nazipost bitte“ sollte man wohl eher mal seine Brieffreundschaften überdenken, anstatt den Briefträger zu belästigen.

Advertisements

3 Antworten zu “Lieblos

  1. Also, ich hasse dich nicht. Bin aber auch nicht aus Riesa. Welche Hochschule hast du denn ruiniert?

  2. Stefan, das bedeutet mir sehr viel:) Und ruiniert hab ich die private Managementakademie. Was sonst?

  3. Das hast du gut gemacht!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s