NPD-Mann ist gegen Heimatlosigkeit

Heute hat mich, surprise, surprise!, die NPD beschimpft. Setzte mich im Vorfeld dafür ein, dass man in Riesa nicht die Jugendlichen evakuiert, denn das machen die ja schon selbst, sobald sie können (es ging konkret um eine Skaterbahn, die von der Stadtverwaltung gesperrt wurde und nur wieder aufgebaut werden soll, wenn die Schüler schon mal anfangen, die 15 Tonnen Holz innerhalb von zwei Wochen mit LKWs an einen geeigneten Standort zu karren). Meinen jugendfreundlichen Kommentar von vor zwei Tagen quittierte der NPD-Abgeordnete Günz vor den Stadträten mit der Entgegnung, dass Herr Trappe ja nicht in Riesa lebt und es kein Wunder sei, dass er sich für eigenartige Skater einsetze, die viel Müll machen, denn er, die Journaille (wird das so geschrieben?), habe ja auch nichts anderes im Sinne, als die Stadt zu beschmutzen. Dann dachte er vielleicht noch schnell etwas Schlimmes, man weiß es nicht, und beendete seine Tirade. Die SPD setzte sich danach wieder dafür ein, dass Kinder ganz cool sind, während mir die NPD weiter vorwarf, dass ich nicht aus Riesa sei. Was nicht so wundert, die sind ja ortsverbunden.

Wesentlich offenherzlicher ging ein anderer Riesaer übrigens kürzlich mit sich und seinem Mitteilungsdrang um. Als ich ein Gericht beim örtlichen Vietnamesen zu mir nahm, schrie der beherzte Alkoholiker in den Laden „Sieg Heil“, trollte sich aber zugleich. Wahrscheinlich hatte er die zweite Strophe des Gedichtes vergessen.

Nun aber mal weg von die Nazis: Es gibt ja auch noch diese seltenen Momente, in denen man sich fragt: Was wollte mir die Welt jetzt damit mitteilen, und was ist das für ein seltsamer Mensch, über den sie das gedenkt, tun zu müssen?

Wie gestern zum Beispiel, als der Mann am Riesaer Bahnkartenautomat mich fragte, ob ich wüsste, wie man eine Fahrkarte nach Dresden kauft. Freilich weiß ich’s, fast so ähnlich, wie eine Fahrkarte nach Leipzig, warten Sie, ich demonstriere am Objekt und erstehe Ihnen ihr lang ersehntes Ticket.

Gestaltet sich dann etwas schwieriger als gedacht, weil es Nahverkehrstarif mit zugehörigen Andersartigkeiten gibt, aber eben nicht unmöglich. Und verleitet mich zu der Aussage, dass das ja etwas schwerer sei, als gedacht, aber nicht unmöglich. Woraufhin der Mann nur sagte, dass ging ihm auch so, als er sich gerade das Ticket nach Dresden gekauft hat.

Da steht man nun, und weiß nicht so recht, wie man diese Art des Beisammenseins möglichst geräuschlos beendet. Ich nutzte dann die Chance zu gehen, als der Mann eine Dame ansprach: Ob sie denn wisse, wie man ein Ticket nach Dresden kauft? Auch sie wusste es und demonstrierte es – wie wahrscheinlich noch Generationen nach ihr. Sag noch mal einer, man könne sich langweilen, wenn man gar nicht will.

Oder eben jene Dame am Telefon, die sich bei mir beschwerte, dass sie sich ihre Waschmaschine hat reparieren lassen. Seit Wochen wartete sie auf die Rechnung, nur nach zweimaligen Anrufen wurde sie ihr endlich zugeschickt. Man könne doch bei solchen Firmen nicht mehr irgendwas reparieren lassen, schreiben Sie das auf. Gerade jetzt, wo doch grad Krise ist, keine Rechnung, wird ja immer schöner.

Auf die Geschichte freu ich mich schon, ehrlich.


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2 Antworten zu “NPD-Mann ist gegen Heimatlosigkeit

  1. Haha… erst SPD-Nazis, heute die von der NPD.

  2. Pingback: Indie ist eine Chiffre. Nudelwalther eine Marke. « Gut wie Gold. Musik, sonst (fast) nix.

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