Kellnern und Laufbänder

Das hat hier nun mal gar nichts mit Riesa zu tun, aber anyway, wie der Spanier sagt.

Zum Thema Kellnerin: Man sollte nicht kellnern, wenn man das gar nicht will, und vielleicht lieber professioneller Hundekastrator oder ähnliches wäre. Solcherart Dame, die nicht will, aber doch offenbar muss, bedient im Potsdamer Mövenpick-Restaurant, ein Biergarten oder sowas in der Art. Ihr österlicher Gesichtsausruck vermittelte den Eindruck, sie sei grade selbst nur knapp einer Kreuzigung entgangen und suchte jetzt unter den Gästen den Judas. Sie wähnte ihn wohl auch in mir, enstsprechend scharf sanktionierte sie mit ihrem Blick meinen Wunsch nach Kaffee, Leitungswasser, Kuchen, in der Reihenfolge. Und offenbarte eine Charaktereigenschaft, die hier endlich einmal letztgültig verurteilt werden soll. Man hat als Bedienung nicht zu wiederholen, was der Gast bestellt hat, noch während der Gast bestellt, nur um Geschäftigkeit zu demonstrieren. Der Gast weiß das nämlich in dem Moment, in dem sein Wunsch rezitiert wird, sicher noch immer selbst. Und vor allem hat die Kellnerin nicht die Stimme anzuheben, wenn sie wiederholt.

Will sie sich so gebärden, hätte sie halt Krankenschwester werden sollen. Oder Bäckereiverkäuferin im Inselstraßen-Netto um die Ecke. Da arbeitet aber anscheinend schon ihre Schwester, die das „Guten Tag“ herrlich versteht so auszusprechen, dass man das „Du dumme Studentensau, ich verdien hier weniger als du und muss den ganzen Tag arbeiten“ gleich mithört. Als Nichtstudent.

So viel zu gescheiterten Versuchen von Menschen, sympathisch zu wirken. Und dann doch noch zu Riesa und der gesteigerten Form von Menschenhass, wenn auch ein Beispiel nicht jüngstem Datums. Hatte vor kurzem die Zeit im dortigen Kaufland zwecks Erwerbs von Notsocken zu verkehren. Das Untergeschoss erreicht man hier über eine Rolltreppe – so eine ebenerdige, auf die man auch Einkaufswagen stellen kann. Eine wirklich sympathische Riesaerin traf auf dem Band eine Freundin, naturgemäß trennten sich ziemlich schnell ihre Wege, da sie ja auf zwei verschiedenen Bändern positioniert waren. Die schlaue Freundin redete also weiter mit der fauleren Freundin, indem sie das Band entegen der Laufrichtung hinabging. Ich verfolgte das Schauspiel ein wenig gerührt, auf jeden Fall mit voller Wonne, da sich abzeichnete, dass die fitte Oma bald die untere Etage erreichen würde, zusammen mit der fauleren Oma, obwohl das sie unterstehende Band ja eigentlich genau in eine andere Richtung arbeitete. Wieder einmal zeigts Mensch Maschine, dachte ich mir also, und ahnte Ungemach, als am unteren Ende des Laufoma-Bandes ein bis dahin unbeteiligter Riesaer das Laufband betreten will.

Wie reagiert der Riesaer jetzt bitte? Man kann es nur ahnen, wenn man es schon häufiger genauso erlebt hat: Natürlich  gibt er sich alle Mühe, seinen Einkaufswagen Cobra-11-mäßig über die gesamte Breite des  Laufbands zu drapieren, ist das vollbracht, wartet er eine Sekunde, guckt sodann für das Publikum – die beiden Omas – in Richtung Omas und schnaubt etwas in der Art von „Das geht nach oben, nach unten ist gegen die Regel, mach dich hoch, Oma“ und schnaubt noch mehr. Und freut sich auf die unvermeidliche Kollission seiner kleinen Gedankenwelt mit den bösen Unbilden der Welt da draußen.

Damit ist doch schon mal einiges gesagt zur Riesaer Herzlichkeit. Und das Happy End: Oma schafft es unter Schimpfbegleitung des schlechten Menschen sich am Wagen vorbeizuzwängen, leider denkt sie nicht daran, ihm eine in der Mitte des Ganges liegende Plastikschaufel in den Kopf zu stopfen.

Und die Kellnerin hat dann auch nur vierzig Cent Trinkgeld bekommen.

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