Begriffsklärung: Zynismus

Feiern, wo andere weinen


Flattr this

Erdverbunden

Vorbemerkung: Dieser Text hat einen Knoten im roten Faden.

Am 1. September wurde vor 50 Jahren in der Stahlstadt Riesa ein Ortsteil eingemeindet, das schöne Mergendorf. Auch viele andere Ortsteile wurden zuvor und danach eingemeindet. Man will das jetzt feiern, verkündete der Riesaer Riese, das befellte Stadtmaskottchen. Im Online-Gästebuch der Stadt wandte sich der Riese (er ist wirklich ausnehmend riesig) ans Volk. Es solle die Eingemeindungen aller Art begehen beim kommenden Stadtfest im Juni. Und zwar so: „Bringt bitte aus jedem Ortsteil einen Stiefel Erde mit zum Rathausplatz“. Riesa, Stadt der Party-Ideen.

Mit dem sehr individuellen Feierritual wird ein Gesellschaftsentwurf angedeutet, der irgendwie spannend klingt, aber trotzdem im Kreistag Meißens (der auch Riesa repräsentiert) jüngst nicht verhandelt wurde. Auf der Tagesordnung stand ein Leitbildentwurf für den Landkreis, den ich nicht gelesen habe, dafür bin ich viel zu träge. Als Mitglied der Spaßgesellschaft kenne ich nur die Auslassungen der sympathischen NPD zur Leitbildfrage. Man ist da bei den Nationaldemokraten sehr engagiert. In diesem Zusammenhang sei noch kurz ein anderer Besucher im Riesaer Gästebuch zitiert. Ein Berliner Pensionär, der erklärt, „als Strafrechtler“ freue er sich „immer wieder über Seriosität und Lebensqualität“ in der Riesaer Gesellschaft. Seh ich ganz ähnlich, so als Mensch.

Wie die Sitzung ablief, weiß ich nicht, nach dem Bericht der NPD zu urteilen wurde offenbar aber viel gerülpst und gefurzt, vielleicht schütteten die von Mundgeruch geplagten Politiker auch Erde aus Stiefeln auf Kreistagstische. Das ist frei rein interpretiert, fest steht offenbar nur, dass ein Anwesender, man meint bei der NPD, es sei der Riesaer Finanzbürgermeister gewesen, in Richtung der NPD-Fraktion gebrüllt habe: „Halt’s Maul“. Das ist jetzt nicht unbedingt eine ungewöhnliche Wortwahl für den Bürgermeister, ich glaube trotzdem, man hat sich da bei der NPD verhört, denn in der Regel pflegt der Bürgermeister schlicht zu sagen, er ist da kein Mann vieler Worte: „Arschloch!

Wozu jetzt der Kreis Meißen ein Leitbild braucht, weiß ich nicht recht, es gibt doch Wein, Burg, Nudeln, Stahl und Elbe, da ist eigentlich alles gesagt. Aber das ist nicht meine Sache, die Leitbild-Frage ist nun mal in der Welt. Und damit auch die elf Änderungsanträge, eingebracht vom sympathischen NPD-Stadtrat Peter Schreiber aus Strehla bei Riesa. Er eröffnete seine Rede, so die NPD, „augenzwinkernd“ erklärend, dass „Demokratie Geduld verlangt“. (Wenn man augenzwinkernd und den Kopf in den Nacken gedrückt etwas vorträgt, sieht man ein wenig aus wie Thilo Sarrazin, ich hab das grade mal vorm Spiegel ausprobiert).

Wichtig ist der NPD eine Präambel im Meißner Leitkulturgedöns, in der vermerkt ist, dass „zwischen Strehla und Radeburg, Gröditz und Nossen die deutsche Volksgemeinschaft ein Stück Wirklichkeit“ werden soll, begründet dadurch, dass Riesa und Meißen „das traditionsreiche Herzland Sachsens“ sei und damit wohl irgendwie gefühlte Reichshauptstadt.

Was die Wünsche der NPD angeht, finde ich, da ist die Wirklichkeit schon weiter, als man dort vielleicht wahrhaben will. Denn durchaus möchte ich behaupten, dass, bedeutet eine Volksgemeinschaft nach Idee der NPD die durchgängige Umstellung weiblicher Frisuren auf Zweifarbigkeit (und ich glaube, das ist der Grundgedanke), im Raum Riesa schon einiges an Bringschuld gebracht ist. Weiterhin sind auch schon viele Autos getunt und Tankstellen zu Gemeindezentren umfunktioniert. Riesa hat eine Disco und einen McDonalds.

Und bald auch einen Erdhaufen auf dem Marktplatz. Und der Wolf ist auch schon im Anmarsch. Das wird noch mit dem Leitbild.


Flattr this

Dieses Facebook

Der sympathische Riesaer NPD-Stadtrat und Landtagsabgeordnete Jürgen Werner Gansel will gerne mit mir befreundet sein. Bei Facebook. Mit dem nachdenklichen Blick eines NPD-Intellektuellen, das heißt das Gesicht auf die sinnierend geballte Faust gelehnt, blickt er mich nun schon seit Wochen vorwurfsvoll an und wartet auf die Bestätigung, dass ich seine Freundschaftsanfrage annehme.

Geht aber auch ohne, Gansels Pinnwand-Einträge kann man ja auch so betrachten, zum Beispiel den Youtube-Clip von Didi Hallervorden, den Gansel offenbar sehr mag, oder jenen des anderen berühmten NPD-Comedians Micha Schäfer, der gerade um den Einzug in den Magdeburger Landtag kämpft und dafür ein sehenswertes Video produziert hat, da bleibt keine Auge trocken.

Anderes Thema, Kontextualisierung folgt. Es gab früher im Riesaer Stadtrat immer so Szenen, die man mir als arrogant auslegen konnte, immer dann, wenn ich meinen Kopf in die Hand vergrub und mich auf der Zuschauertribüne schmerzhaft krümmte. Das sah wahrscheinlich sogar sehr arrogant aus. Es krümmte mich, wenn ein Stadtrat etwas zitieren wollte, aus dem Faust oder irgendwas von Heine. Es ging eigentlich immer daneben, sei es durch das komplette Durcheinanderbringen des Zitierten, das falsche Zuordnen des Autors, das komplette Missverstehen des Zitats oder das einer inneren Bücherverbrennung gleichkommende Versächseln des Gesagten. Das ist nur eine Anekdote des im Umgang mit Worten oft recht fahrlässig agierenden Stadtrats.

Heute sind alle bei Facebook. Riesaer Politiker auch. Sie machen da jetzt alles rein, was sie früher anders los geworden sind, im Stadtrat zum Beispiel.

Vor kurzem gab es eine verheerende Multi-Katastrophe in Japan. Auch in Riesa ist das angekommen, die Nachricht, irgendwie. Ich weiß nicht, ob es im nächsten Stadtrat Thema sein wird. In der Riesaer Facebook-Gemeinde ist es das auf jeden Fall, und ich hoffe, dass die Diskussion den virtuellen Raum nicht verlassen wird, ich ahne nämlich, dass es diesmal nicht bei einem Zitat aus Heinrich Heines Faust zur Atomkraft bleiben würde.

Es war am einem Sonntag, als die ersten Nachrichten über das Beben und den Tsunami für einige Betroffenheit auch in Riesa sorgten, zu sehen an einer Diskussion auf der öffentlich zugänglichen Facebook-Seite der Riesaer Oberbürgermeisterin. Eine Diskussion – über Frühlingsblüher. Genauer gesagt, Märzenbecher. Die blühten jetzt im Riesaer Ortsteil Jahnishausen, hieß der Hinweis, man sollte sich das doch mal anschauen, trotz der Weltlage.

Es entspannte sich eine längere Diskussion um die Schönheit von Märzenbechern und ihre Bedeutung vor dem Hintergrund kollabierender Kernkraftwerke, die mit einem Kommentar eines Vereins von Riesaer Kunsthandwerkern, dem WKG Gostewitz, recht bündig zusammengefasst ist: „Um wahres Glück zu finden, darf man nicht immer das Große und Ganze sehen. Deswegen sind die Märzenbecher mehr wert als Sie glauben wollen.“

Das muss man in Deutschland ja wohl noch sagen dürfen.

Die Facebook-Seite der Oberbürgermeisterin wurde dann für mich ganz spannend, ich bin immer interessiert an neuen Perspektiven, zumal bei verzweifelter Weltlage. Am Dienstagabend, die Nachrichten über eine unbewohnbar gemachte Küstenregion, zehntausend Vermisste und eine drohende Kernschmelze dominierten auch in Riesa erhältliche Zeitungen, erregte folgender Eintrag der Oberbürgermeisterin viel Wohlwollen und eine lange Diskussion: „Japan bittet die EU um Hilfe! Sie könnten doch alle Beamten einsetzen, die sich um die Größe von Gemüse kümmern.“

Okay.

Der Riesaer Grünen-Stadtrat machte gleich mal mit. Und erklärte, dass man doch „noch ein paar Beamte aus den Bildungsagenturen“ hinterher schicken könnte, „die mit ihren ewig neuen Statistiken und bürokratischen Anweisungen das Lehren an den Schulen immer schwerer machen“. Der örtliche Polizeikommissar mahnte dann glücklicherweise um etwas Zurückhaltung bei der Debatte darüber, welchen Beamtenkreisen mit radioaktiver Strahlung ganz gut getan wäre.

Die Oberbürgermeisterin war schon zu Bett, „trotz der Weltlage“ und auch der grüne Stadtrat hatte sich wieder im Griff und verwies darauf, dass das ja doch alles ganz schön schlimm sei. Nun wachte der sächsische FDP-Politiker Johannes Lohmeyer auf, der dann ein paar Tage später in seinem Blog erklären wird, dass er sich wegen der deutschen Reaktionen auf die Reaktorkatastrophe gerade dafür „schäme, ein Deutscher zu sein“.

Den Facebook-Atomwitze-Wettbewerb versuchte er zuvor dadurch zu entschärfen, indem er vorschlug, man könnt die Grünen-Chefin „Claudia Roth rüberschicken. Sie würde sofort abgeschaltet und mit Meerwasser gekühlt.“ Wenig später war es dann wie damals bei Tschernobyl. Lohymer erklärte, die Situation in Japan sei unter Kontrolle und bliebe wahrscheinlich ohne schlimmere Folgen. Nachdem Lohmeyer noch den „Hirnfallout“ der politischen Gegner feststellte, verabschiedete er sich in die Nacht.

Die Oberbürgermeisterin, erklärte sie jüngst bei Facebook, liest gerade Gedichte von Fontane. So wie das früher alle gemacht haben von den Riesaer Politikern. Es war nicht alles schlecht früher.


Flattr this

 

Gewünschter Anhang und dann aber gut:

Tittenköhler

Ich weiß nicht, ob es das in der Psychologie wirklich gibt oder es sich um eine dieser Thesen handelt, die unwidersprochen bleiben und dann irgendwann als Tatsache gelten, aber: viele Menschen sehen überall Titten. Malt man Kreise oder Vierecke auf ein Blatt und hält diese Tintenflecke dann dem Betroffenen vor Augen, schreit er „Brüste!“. Vielleicht auch „Titten, Titten, Titten“, das geht jetzt noch eine ganze Weile so, obwohl der Stil einigen meiner Überzeugungen widerspricht.

Die Titte Riesas ist der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt, Wolfram Köhler. Ich will ihn damit nicht herabsetzen. Köhler regierte einst die Stadt und gebar irgendwann die Idee, dass sich Riesa zusammen mit Leipzig um die Sommerolympiade bewerben sollte. Deswegen ist Köhler heute in der Stadt recht umstritten, um das Mindeste zu sagen, er gilt als größenwahnsinnig und sowas. In der Stadt sind allerdings viele Menschen recht umstritten, manchmal denke ich, an die sechs Milliarden, aber das denke ich nur an schlechten Tagen. Köhler nimmt im Range des Umstrittenen eine besondere Rolle ein, da er nicht nur der Manager des Moderators Axel Schulz ist, sondern einer weiteren Immobilie, nämlich der beliebten Riesaer Erdgasarena. Man verschwendet viele Zeilen, wenn man das alles auswälzen will, deshalb ganz grob. Der Stadt wird die Arena zu teuer, in der lokalen Berichterstattung nimmt das großen Raum ein und ein Großteil der Riesaer schreit. „Wir darben, Schuld trägt allein Tittenköhler!“

Des öfteren habe ich im Lokalblatt schon über die Erdgasarena geschrieben. Ziemlich häufig sagte ich dazu was ich denke, nämlich, dass die Stadt Riesa keine Arena braucht, ein ICE-Halt reicht an Luxusprodukten. Der Meinung bin ich auch heute noch. Außerdem schrieb ich mal in einem überregionalen Medium wenig unverblümt davon, dass ich Köhler einen Phallus-Komplex unterstelle, das war nicht sehr nett von mir. Köhler und ich haben heute ein recht rationales Verhältnis, wir grüßen uns höflich, und er macht keine Witze über meinen Namen. Das bedeutet schonmal was in Riesa, dazu später mehr.

Kurzer Exkurs. Ich habe mal eine Geschichte über einen Nachfahren eines sächsischen Prinzen geschrieben und darin erklärt, dass ich denke, dieser Mann lebe etwas sehr in der Vergangenheit und ein bürgerliches Leben überfordere ihn. Ich will sagen, dass ich damals lange ein schlechtes Gewissen hatte, es peinigte mich, da ich merkte, dass das ja alles so sein mag, aber eigentlich ist das die Sache des Prinzen, nicht meine und schon gar nicht die von rund 400.00 Zeitungslesern. Ich schreibe solche Geschichten jetzt nicht mehr, ich will nicht persönlich werden, das überfordert mich moralisch und außerdem gibt es für solche Sachen genügend andere Journalisten. Ich finde diese Haltung haltenswert und wünsche mir, dass es andere, die über mich sprechen, auch so halten könnten. Doch in Riesa ist es, wen wundert’s nun, etwas anders, zumindest, wenn Wolfram Köhler ins Spiel kommt. Da brennen Sicherungen durch, so vorhanden.

Hier gibt es zum Beispiel den Leiter eines örtlichen Vereins, der “Kulturwerkstatt”, ein Mann mit festen Überzeugungen und einen hohem Grad an Engagement für seine Stadt. Problematisch ist gerade aus Sicht vieler und meiner, dass er momentan etwas zu eng mit dem Rathaus anbandelt und das einige Fragen aufwirft. Lokalpolitik, über die man berichten kann. Sollte. Ich berichtete darüber.

Titten!

Wer mir das alles „einflüstert“, fragt der Leiter der Kulturwerkstatt nun in einem scheinbar eigens dafür eingerichteten Blog, ohne Zweifel daran zu lassen, dass Tittenköhler derjenige ist. Warum ich in einem Interview mit Olaf Schubert einen Witz über Köhler mache, könne ich an nichts anderes mehr denken? Dass ich als „Gastjournalist“ in Leipzig lebe, auch so ein zweifelhafter Charakterzug. Außerdem schreibt er mies über Nudelwalther, was ich ihm wirklich übel nehme. Und dass ich einen lustigen Nachnamen habe, „ich hör dich trappen“, schreibt er, der Chef der Kulturwerkstatt. In seinem Blog kann man nicht kommentieren, er habe Angst vor zu viel Lob. Ich achte den Mann immer noch, denke nur inzwischen, er hat sich da in was verrannt.

Alleine ist er mit der Köhler-Manie nun nicht. Neulich telefonierte ich mit einem Rathausmitarbeiter, es ging um die Absage des „Boulevards der Weltmusik“, eine Veranstaltung mit internationalen Künstlern. Die Recherche war abgeschlossen, als ich zurückgerufen wurde. Ihm sei da noch was eingefallen, warum das Mini-Festival abgesagt wurde. Ich fragte, ob es vielleicht an Wolfram Köhler liegt? Er sagte Ja.

Epilog

Vor kurzem durfte ich einem Besuch einer Riesaer Delegation des Rathauses im Berliner Verkehrsministerium beiwohnen, es ging um den Ausbau einer Bundesstraße nach Riesa. Zur Untermauerung der Forderung hatte die Delegation sich etwas Besonderes ausgedacht, für die Vertreter im Bundesministerium in Berlin: Ein Delegationsmitglied verkleidete sich als Urmensch und brachte eine Mehrliterflasche Bier mit und schwang eine Keule (ich habe Fotos).

Man hat nämlich jetzt wirklich mal genug von diesem Köhler-Größenwahn.


Flattr this

Auf die Verfassung

In Riesa gab es mal vor langer Zeit einen Bürgermeister, der der FDP zugehörig war, man erkennt daran, dass Riesa schon immer Mut zur Extravaganz hatte. Das ging freilich nicht lange gut, inzwischen ist hier wieder Ordnung eingekehrt, es ist, wie es in fast ganz Sachsen ist. Das Stadtoberhaupt wird in freier und geheimer Wahl vom CDU-Ortsverband gewählt, die Stadtbevölkerung stimmt dann zu, der Ausgang ist so ungewiss wie eine Wahl zum Bundestagspräsidenten.

Im Rathaus regiert die CDU, dem Ortsverband wird langweilig. In Riesa ergeht man sich deswegen seit neuestem darin, die befeindete Orts-SPD darum zu ersuchen, sich zur Verfassung zu bekennen. Man schnappreagiert damit auf folgenden Umstand: Ein SPD-Stadtrat hatte, nicht in seiner Funktion als Stadtrat, die Landesregierung (CDU/FDP) dafür kritisiert, dass sie von Vereinen, die sie fördert, verlangt, sie sollen ihre Partner auf ihre Verfassungstreue hin ausspionieren. Damit stelle er, der Stadtrat, sich außerhalb der Verfassung, so die Orts-CDU. Und die SPD solle sich da mal bekennen, schließlich ist der Mann in der SPD.

Nun ist es unter Politikern bekanntlich ein beliebter Trick, jemanden zu etwas aufzufordern, weil dann der nur oberflächlich interessierte Zuschauer denkt, es gäbe einen Grund für die Aufforderung. Ein kurzes Gedankenexperiment dazu: Man gehe in die Nähe des nächsten Kindergarten und schreit den nächstbesten Mann mittleren Alters an, er solle versprechen, sich nicht an den Kindern zu vergehen. Wenn man jetzt bedenkt, wer von beiden Gesprächspartnern in die größere Bredouille kommt, hat man einen Großteil der Riesaer CDU-Strategie verstanden.

Und nun ein kleiner Blick in diesen sympathischen Verband der Riesaer Christ-Stalinisten, in dessen Mitte übrigens auch Innenminister Thomas de Maizière öfter weilt, er hat nämlich hier seinen Wahlkreis, nur mal am Rande.

Speerspitze der Bekenntnis-Bewegung ist der Landtagsabgeordnete Geert Mackenroth. Der Mann war früher mal Vorsitzender des Deutschen Richterbunds, bevor er nach Sachsen kam, und das Amt des Justizministers erklomm. Als solcher wurde er dermaßen verfassungstreu, dass er die sächsische Staatsflagge vor seinem Privathaus hisste, so lange, bis man ihm erklärte, dass das verboten ist. Seine Verfassungstreue trieb Mackenroth in seiner Dienstzeit weiterhin dazu, bei verfassungsfeindlichen Ex-Mietern seines Hauses in Schleswig-Holstein nach einem metallicfarbenen Klodeckel suchen zu lassen. Später schlich sich in seinem Haus eine verfassungsfeindliche Gärtnerin ein, was die Menschen von der Presse irgendwie als Schwarzarbeit werteten.

Heute ist Geert Mackenroth kein Minister mehr, aber weiter Verfassungsfreund. Nachzulesen in seinem letzten Blackout, den er anlässlich des Tags der Deutschen Einheit online stellte. Er lobte dort „unsere manchmal lästige, aber immer freie Presse“, und setzte sich dafür ein, dass nicht immer auf die „Gutmenschen“ gehört wird.

Stadtchefin der CDU ist Inge Reinacher, eine recht erfolgreiche Immobilienmaklerin. Das ist ihr nicht vorzuwerfen, vielmehr sei es ihr gegönnt. Genau wie ein Mieter, der in ihrem Wohnangebot ganz glücklich wurde: Der sympathische NPD-Abgeordnete Jürgen Gansel. Man kann den Mann nicht die Unterkunft verweigern, nur weil er rechtsradikal ist, kann man sagen. Genauso wie man sagen kann, dass mal als CDU-Stadtchefin den kleinen Schnack mit Gansel vermeiden kann, oder den Handschlag, oder alles andere, was wie eine Verharmlosung der NPD aussieht.

Oder man setzt noch einen drauf. Man fordert die SPD auf, sich zur Verfassung zu bekennen. Sollte sie dann sagen, sie stehe mit beiden Beinen auf dem Boden der Verfassung, kann man immer noch erklären, dass die SPD das Grundgesetz also mit beiden Füßen trete. Vielleicht sollten sich die Genossen zudem langsam mal von Pol Pot distanzieren. Auch in dieser Hinsicht sind die Schlingel nämlich verdächtig zurückhaltend.


Flattr this

Torgau

Fährt man aus Berlin nach Torgau, um dort ein Firmenporträt über die dort ansässige Brauerei und ihr wohlschmeckendes Produkt „Zille’s Fassbrause“ zu schreiben, hat man einen schönen Ausblick auf die Elbe, die sich an der Ecke Sachsen-Brandenburg gerade einen Weg durch diverse Gassen, Wälder und Gartensparten bahnt. Man kommt dann irgendwann in Falkenberg/Elster an, hier muss man umsteigen. Ist etwas irritiert, weil die Zuganzeige Irritierendes preisgibt. Kommt in ein Gespräch mit einem, wie man denkt, Italiener, der auch nach Torgau möchte und ebenso nicht recht weiter weiß (nicht sein Ziel ist dafür der Grund, sondern die Zuganzeige).

Man ergeht sich in gemeinsamer Problemlösung und stellt die Frage, wo er denn herkomme? Immerhin unterhält man sich auf Englisch, der Mann ist also mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Italiener. Er ist Mazedonier. Er macht Spannendes. Ist Bildhauer, recht lange schon. Arbeitete in New York, in Kanada, und nun jüngst in Australien, wo er eine eigene Galerie und ein Haus hat. Man prüft das nach, lässt sich seinen australischen Führerschein zeigen. Und fragt sich und später den Mann, warum um Gottes willen er dieses Ziel hat: Das Wohnheim für Asylsuchende in Torgau, wo er gerade wohnt. Der Mann erzählt seine Geschichte, erzählt von seinem Leben und dass er auch nicht so recht weiß, wie das passieren kann. Die Galerie in Australien, und jetzt der mehrwöchige Aufenthalt in einem Asylantenheim in Nordsachsen.

Er heißt Miha, oder so ähnlich, meine Bulgarischkenntnisse sind arg verblasst in den letzten Jahren. Nein, seine Geschichte ist nichts für die Zeitung, das ist ihm zu riskant, er will ja nach Down Under, nicht in die Zeitung. Gut, Miha, erzähl trotzdem, und sei mir nicht böse, darf ich deinen australischen Führerschein sehen? Das klingt mir alles zu krass. Nicht böse gemeint, Miha! Er zeigt seinen australischen Führerschein.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, nach einem Krieg in Jugoslawien, reichte es also Miha. Er war damals ein junger Staatsbürger eines noch jüngeren Staates, sein Glück meinte er in diesem Land aber trotzdem nicht finden zu können. Er ging. Nicht ins Nachbarland Bulgarien, wie viele seiner Landsleute, sondern nach Amerika, so wie in den Träumen vieler seiner Landsleute.

New York, später New Jersey. Lernte das Handwerk eines Bildhauers. Seitdem baut er Skulpturen. Miha wurde politisch aktiv. Gründete in Jersey einen Verein der Exil-Mazedonier. Für Leute, die sich kritisch gegenüber einem grundsätzlich korrupten System zeigten, er meint das mazedonische, wird wütend, wenn er nur dran denkt. Später ging er nach Kanada, in den französischen Teil, er konnte Französisch, weil er zuvor in Paris gelebt hatte. Miha erzählt das, als erzähle er vom Rezept für Erdbeermarmelade.

Das alles war nicht seins, er möchte woanders hin, nur nicht zurück nach Mazedonien, da sei er wegen seiner Aktivität im Ausland nicht so gelitten. Ging nach Australien. Baute sich eine Karriere auf, hatte Erfolg. Das Haus, es ist nicht seins, es ist gemietet, ebenso die Galerie in dem Haus in Sydney. Er mag Australien.

Ab und an besucht Miha seine alte Heimat, er meint Mazedonien, seine gesamte Familie lebt dort, da muss man sich doch mal blicken lassen. Wie vor einigen Wochen, als er kam und wie immer wusste, dass er wieder gehen muss, es geht hier nicht, „corruption, everywhere, eyerybody“, sagt er. Miha will ausreisen, wie er es schon so oft tat. Diesmal kam es anders. Die Grenzbeamten nahmen ihm den Pass, Anweisung vom Computer. Miha hatte nur den Pass, Aufenthaltsgenehmigungen und Führerscheine, ja, aus Australien. Miha wurde staatenlos, hier auf einem Flughafen in seinem Heimatland.

Miha musste handeln, für ihn scheint das kein neuer Zustand zu sein in seinem Leben. Verließ den Flughafen, ging ein wenig, fuhr ein wenig, bis er schließlich an einer Autobahn stand, die, über die die LKW-Fahrer Richtung Europa fahren. So wie jener, dessen Ziel Frankreich war, super, das kenne ich, sagte Miha, gibt Geld und steigt ein. An der Grenze versteckte er sich im Laderaum. Miha übertritt illegal Grenzen. Bis irgendwann die EU-Grenze kam. Miha spricht viel von der EU. Er mag die EU. Bist du drin, ist alles gut. Miha muss überlegen, wie diese Stadt hieß, in der es dann nicht mehr gut war. Saarbrücken, sagt er schließlich. Dort wollten Polizisten seinen Pass sehen, man war schon auf dem Weg nach Metz, in Frankreich fühlt sich Miha sicherer, in Deutschland sei es für Ausländer irgendwie schwierig, sagt er. Er kann das nicht begründen, ist nur so ein Gefühl. Miha hat keinen Pass, die Polizisten wollen aber einen sehen. Miha musste entscheiden, er wollte jetzt nicht in einen Reisebus zurückgeschickt werden.

Der Bildhauer beantragte Asyl in Deutschland.

Asylsuchende, egal, ob sie nun in Frankfurt oder hinter Saarbrücken aufgegriffen werden, erklärt mir Miha, landen mit hoher Wahrscheinlichkeit in Torgau, oder zumindest in Ostdeutschland, weil es hier sonst keine Ausländer gibt und die Toleranz am größten sein müsste. So haben sie es Miha erklärt, der es jetzt mir erklärt. Nein, von Torgau habe er zuvor nicht einmal gehört, Leipzig kenne er, das sei aber ja auch so eine kleine Stadt. Da leben doch vielleicht grad mal eine Million Menschen, sagt er mir. Die Hälfte, sage ich, er nickt, schaut aus dem Fenster, sagt, sehr klein. Dann lacht er.

Miha ist guter Dinge, dass bald alles glatt geht, gerade kommt er ja von der australischen Botschaft in Berlin. Jetzt muss er aber zurück ins Asylantenheim, es ist da hinten, sehen Sie, den Teich und dann rechts. Ich weiß nicht, wo er hinzeigt, ich war ja noch nie in Torgau. Warum auch?

Man wünscht sich Erfolg, man wünscht sich Glück, man wünscht sich Australien. Miha gibt einem die Hand, sagt, dass er Miha heißt. Wäre eine schöne Geschichte, sage ich, Nein, Nein, sagt Miha, er will nur wieder nach Australien, man will nichts riskieren. Miha geht Richtung Teich (vielleicht ist es auch die Elbe auf einer Wiese, was weiß man schon). Man geht in die andere Richtung, zur Brauerei. Ist ja auch eine interessante Geschichte.


Flattr this

strickblog sex natziente

Der Vorwurf mag kommen, ich riskiers. Billig erstellter Content, keine kreative Leistung. Aber zum neuen Jahr hier ein kleiner Beitrag, den ich schon lange machen wollte und der, so würde es mein Freund Lutz Walther wohl formulieren, im Zeitalter der Mechanisierung der Computer oder so möglich ist. Also, hier eine willkürliche Auswahl von Suchbegriffen, die Besucher im vergangenen Jahr auf mein Blog geführt haben. Ausrufezeichen Doppelpunkt.

  • urmenschen sex
  • nazi quietscheente
  • strickblogs+berlin
  • klofrau
  • das wort arschloch in der presse
  • kutsche mit pferd
  • “deutsche reichsgrenze” schild (wirklich schwer zu kriegen!)
  • nutten in riesa
  • deutschsprachiger strickblog
  • gansel chor riesa (warum nicht?)
  • bummsen im gefängnis
  • thomas ist ein aschloch
  • scheisse provinznest
  • rosenkrieg 2.0 niggemeier
  • kuchenbar
  • drogenhändler bergstrasse
  • grüezi vielmals
  • deutsche strickblo (konnte es kaum abwarten)
  • tanzschule tomas trappe (klingerhuf)
  • fahr doch mal hin dresden
  • suizidmöglichkeiten
  • lutz walther fahrschule
  • wie man neandertaler-dna entschlüsselt (manchmal ist der Druck zuviel für mich)
  • gedicht von finken und spatzen
  • rumäniendeutsche neonazis
  • grillhitler
  • jungbumsen
  • was machen in riesa?
  • interview mit einer klofrau
  • wespe+schwul
  • thomas ist ein arschloch
  • broder bei der npd
  • nazi ente
  • kreativität statt floskeln
  • lokalkosmopolit
  • sc riesa nazi
  • hobbyhuren aus riesa
  • sex urmenschen
  • sind die urmenschen natzis gewessen (man weiß es nicht…)
  • renate preuß herta müller
  • will nach riesa
  • thomas arschloch
  • zittauer bockwurst
  • urmensch sex
  • in oderwitz geht die angst um
  • saschsen stinken
  • gilt das postgeheimnis auch bei eheleuten (der gefällt mir)
  • nazi enten
  • eginald schlattner der spinner
  • wer hilft um aus der rechten szene raus zu kommen?
  • jürgen gansel idiot arschloch
  • peinliche ereignisse kuchen (wer kennt sie nicht)
  • riesa arsch der welt

Danke, bitte, nicht dafür!


Flattr this