Thomas Trappe

tt-Blog auf Reise: Sibiu, Rumänien

November 3, 2009 · Kommentar schreiben

Das Land weiß einfach, was es mir schuldig ist. Erlebnisse, die mich an damals erinnern, damals, als ich hier drei Monate lebte. Flughafen, Frage nach dem Bus ins Zentrum. Freilich gibt’s Busse, sagt die Frau Ende Zwanzig, und ergänzt, als lese sie in meinen Augen die absolute Erwartung nach Enttäuschung, dass es, wie gesagt, zwar Busse gebe, aber dafür keine Tickets. Aber da, dort vor der Tür stehen Taxis, Sir! Glücklicherweise ist das Geschäftsmodell nicht bis zu Ende gedacht, denn erwartungsgemäß ist es dem Busfahrer egal, ob ich ein Ticket habe. Gibt ja keine zu kaufen. Und ein Schwarzfahrer-Strafticket kostet weniger als die Taxifahrt. So weit, so gewohnt.

Der freundliche Polizist aber, er überfordert. Saß er da in der Tourist-Info, die übliche Servicekraft war nicht zuhanden, und machte sich gemächlich auf mich zu, woraufhin ich mit, aus Erfahrung, vielem rechnete, nur nicht mit der Frage, wie er mir helfen könne und zu allem Überfluss auch noch mit der angeforderten Auskunft, wie ich in dieses komische Dorf komme. Das alles in nahezu Oxford-Englisch.

Andere Dinge ändern sich nicht. Zum Beispiel der Geselle aus Kreuzberg/Berlin, dessen Bekanntschaft zu machen die Freude ich jetzt wohl ein paar Tage habe. Um es kurz zu machen, er will hier ein Lehrdorf aufmachen, wo er Bauern ausbildet, er denkt, es gäbe genau danach hier Bedarf, echte ausgebildete Bauern, meinte er. Was ich hier mache, fragte er mich? Herta Müller und so, antwortete ich kurz angebunden mein Weißbrot mit Schafskäse vertilgend, deutsche Literaten eben; und Bürgermeister, Sibiu, wird eventuell Premierminister, deutsche Minderheit, weißt? Kennt er nicht, den Bürgermeister, sagte er.

Einen Traum habe er noch, fuhr er fort: Viel mehr Mittelaltermärkte! Es brauche derer mehr, viel viel mehr. Sibiu sei dafür ideal, da könne man nämlich in der mittelalterlichen Stadt, Met-Stände, weißte, und vom Land reiten die ausgebildeten Bauern ein mit ihren alten Pferden, wie damals, als die Sachsen nach Siebenbürgen kamen. Und empfangen werden sie von Prinz Charles und ihm, und diesem Bürgermeister, der soll hier ja ne große Nummer sein, habe er irgendwo gehört. Im übrigen sei er Graf, und wo gebe es hier eine Bar mit Bier und Zigaretten?

Ich traf ihn heute in der deutschen Bücherei wieder, er schaute auf eine historische Karte mit alten deutschen Dörfern und murmelte was von Burgen und Pferden.

Gestern war auch Termin bei einer Lesung, unter dem ergrauten Publikum rund 70 Prozent Angehörige eines alten Literaturkreises aus der Gegend. Man erfuhr sehr Relevantes, nämlich von etwas, was zwei Damen des Kreises einmal taten, ja, es handelte sich um Dramatisches. Und da war noch diese dritte Dame, seit neuestem sei sie eine „große Frau in Berlin“, die fast das tun wollte, worum es da gestern unter anderem ging, das Dramatische. Den Namen müsse man ja jetzt nicht nennen, das wäre der Dame sicher unangenehm, hieß es. Es reiche ja zu wissen, was sie vorgehabt hat damals, um die Dramatik des ganzen zu spüren. Fürwahr, es war wirklich dramatisch, was sie plante, und das bei einer Dame, die heute alles andere als Lieschen Müller ist. Aber das gehört hier nicht her, ist ja kein Klatschblog.

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Wessi-Alpen

Oktober 14, 2009 · 3 Kommentare

An diesem Wochenende wird in der berühmten Riesaer Erdgasarena das Herbstfest der Volksmusik, die beliebte ARD-Show, aufgezeichnet und schließlich versendet. Florian Silbereisen wird seine beliebten Kapriolen abhalten, heißt es in der entsprechenden Pressemitteilung, aber viel wichtiger: Michelle kommt. Das „Schlagersternchen“ nannte ich sie keck in der Meldung, die ich dem Anlass entsprechend schrieb, in der Hoffnung, da den treffenden Beinamen gewählt zu haben. Allzu tief in die Materie will man sich ja dann doch nicht vertiefen, das machen andere.

Michelle übrigens war offenbar lange weg, stand in der Pressemitteilung, jetzt wird’s in Riesa ein Comeback werden. Sie kommt nur zurück, um ihre letzte Saison zu beginnen, wurde weiter erklärt. Zurückgekommen, um wieder zu gehen, könnte man sagen. Oder: Schlagersänger verenden in Riesa.

Von Schlagersängern zu anderen Revanchisten. Der sympathische NPD-Stadtrat Jürgen Gansel rief mich an und entschuldigte sich für den späten Rückruf. Er habe meine Mail (er muss sich da verhaspelt haben, eigentlich redet er sonst von E-Post) gerade erst gelesen, jetzt stehe er aber gerne Rede und Hitler Antwort.

Ich fragte Gansel kürzlich, wie viele NPD-Mitglieder eigentlich in Riesa sesshaft geworden sind inzwischen. Anlass war die Grundfrage, ob Riesa ein NPD-Nest ist oder ob das weniger wird? Gansel meint, es werden zwar tendenziell eher weniger Mitglieder, nämlich 35, aber trotzdem sei Riesa freilich ein NPD-Nest. Weil nämlich man in Riesa nicht von den lästigen Anti-Rechts-Kampagnen durch das Rathaus belästigt werde (außer jenen „pflichtschuldig abgespulten“, so Gansel), die Bürger kein Problem mit NPD haben und sich die CDU hüte, Schlechtes über die NPD zu sagen, da sie sonst Wähler verliere.

Man muss es leider sagen, aber da war nicht so viel Dummes dabei, was der Gansel hier sagte.

Gansel ist zwar auch Wessi. Doch so verscherzt wie der Wessi, der den Riesaer Leser, von dem jetzt die Rede sein wird, auf den Alpen traf, hat es sich Gansel hier in der Stadt noch nicht. „Der Wessi spinnt“, schrieb der entrüstete rüstige Rentner als Arbeitstitel über seinen Leserbrief. Der Leser nämlich bat den Wessi vor zwei Wochen, ihn, den Leser, digital zu knipsen und dabei schön rumzuzoomen. Der Wessi knipste nur und zoomte nicht – und ward zum besagten „Spinner“. Ein anderer Wessi wurde auch noch „typisch unverschämt“ und „drängelte sich aufs Bild“.

Früher, meinte der Leser, hätte es sowas nicht gegeben, in den Alpen.

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Neue Fans – ein weniger lustig als wütender Eintrag

Oktober 7, 2009 · Kommentar schreiben

Meine Warzen und Geschwüre wähle ich mir nicht selbst, sie kommen, ohne zu fragen, wenn sie kämen. Ebenso kann ich nichts dafür, dass mich ab sofort Jürgen Gansel gut findet. Der sympathische NPD-Fraktionschef im sächsischen LandtagBundesvorstand und Riesaer Stadtrat ließ sich von mir inspirieren und verschickte einen meiner Artikel nur leicht entstellt als NPD-Pressemitteilung heraus. Angereichert mit Wörtern wie „kriminell“ und „Scharlatan“, um den im Artikel behandelten Konkurrenz-Stadtrat dem Leser näher zu bringen.

Wie konnte es nun so weit kommen, dass die NPD sich hemmungslos der Systempresse bedient, ohne sie als korrupt und ,äh, System, zu bezeichnen?

Es ging im Artikel um einen SPD-Stadtrat, aktiv im „Bündnis gegen Rechts“, eines der ersten Mitglieder im „Neuen Forum“ in Riesa und Sozialarbeiter. Insgesamt also eine Persönlichkeit, die sich um die demokratische Kultur der Stadt verdient gemacht hat und darüber hinaus eine der korrekteren im Umgang ist. Trotz dieser Tatsache hat sich der Stadtrat in letzter Zeit in seiner Eigenschaft als Firmenbesitzer dazu hinreißen lassen, seinen Angestellten keinen Lohn mehr zu zahlen und unangenehme Kungelei-Eindrücke zu erwecken. Was mich wiederum in die Pflicht nahm, darüber zu berichten, immerhin handelt es sich nebenbei auch noch um einen regelmäßigen Landtagskandidaten der Sozialdemokraten (freilich: eine Symbolhandlung, aber trotzdem). Bei den unbezahlten Arbeitern handelte es sich außerdem im Arbeitsagentur-Rotwelsch genannte „schwer vermittelbare Arbeitskräfte“. Insgesamt also ziemlich uncool das alles vom SPD-Stadtrat.

Unter der Überschrift „Anti-Rechts-Kämpfer mit krimineller Energie – ’Sozialdemokratischer’ Stadtrat prellt den Lohn seiner Angestellten“ stieß Gansel eine PM ab, in der er schließlich dieses forderte: „Oberbürgermeisterin und Stadtrat sollten ihren Einfluß geltend machen, um diesen politischen Scharlatan als Vorstand des Sprungbrett e.V. (einer der größten Vereine der Stadt, tt) loszuwerden.“

Nun gedenkt die Oberbürgermeisterin nicht, den Stadtrat loszuwerden, auch nicht Herrn Gansel. Woran sie aber dachte war, meinen Arbeitgeber darauf hinzuweisen, was es denn bedeute, wenn man schlimm über einen Riesaer Stadtrat schreibt. Die NPD habe dann ein gefundenes Fressen, Trappe ist Schuld an NPD-Propaganda. Tendenziell sollte man deshalb doch darauf verzichten, sowas zu schreiben. Sonst wird die NPD nur wieder auffällig, nachher kriegen das die Leute in der ganzen BRD noch mit, außerhalb von Riesa sozusagen.

Und vielleicht haben sie ja recht, jene Stadträte, die Herrn Gansel herzlich begrüßen, wenn er in den Stadtrat kommt, zu jeder Sitzung aufs Neue sich gegenseitig angrinsend? Schön so tun, als ob da nicht jemand wäre, dessen politisches Endziel offiziell der „nationale Sozialismus“ ist. Denn noch besser als Ignoranz hilft nämlich Integration, kann ja sein? Warum es nicht so machen wie die CDU-Stadtverbandschefin, die die Sitzungspausen des Stadtrats gerne mal zum Schäkern mit Gansel nutzt? Oder jene Christdemokratin, die am Telefon davon redet, dass der Gansel eigentlich ja ein ganz Ordentlicher sei, jedenfalls habe er als Mieter nie Probleme bereitet? Ich denke drüber nach.

Und wenn wir uns gerade so schön echauffieren, hier zum Abschluss noch ein kleiner Lese-Tipp für Riesa-Interessenten der Hardcore-Sorte. Da der Brand-Eins-Journalist Gerhard Waldherr aus dem Riesaer Lokalteil zitiert und mich seinerzeit während seiner Recherche so schön fragend fragte, warum das in Riesa alles so eigenartig sei, verweise ich freundlichst auf seinen schönen Riesa-Text. Ich hoffe, dem Link geht es nicht so wie jenem auf dem Gästebuch von riesa.de. Er hatte dort die Ehre, als erster Eintrag aller Zeiten gelöscht zu werden, zusammen mit jenem, in dem andeutungsweise der Artikel erwähnt wurde. Die Stadt begründete das mit rechtlichen Bedenken. Oder zu deutsch: Was sollen die Leute in der Rest-BRD denn denken, wenn sie das lesen?

Nachtrag 8/10: Schade, dass ich es nicht selbst im Tagesspiegel schrieb, aber gut. Eine etwas ausführlichere Beschreibung des Elends. Perfide: Weitergeleitet wurde der Artikel an die Redaktion durch Jürgen Gansel. Er scheint recht stolz, auf das Ganze. Bedenklich, das Ganze.

Nachtrag 9/10: Inzwischen gibt es doch eine Reaktion durch benannte OB.

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Heut mal für die Kleinen

September 16, 2009 · Kommentar schreiben

Nehmen wir den berühmten 20. Jahrestag oder die Bundestagswahl als Anlass für diesen Einstieg. Und zwar erklärt der SPD-Fraktionschef im Riesaer Stadtrat endlich einmal, warum er generell jeder Vorlage der Verwaltung zustimmt. Und zwar: Weil sie ja von „Fachmännern im Amt“ ausgearbeitet wurde. „Dann wird das schon richtig so sein“, ließ er sich vernehmen. Vielleicht erklärt das nicht nur die Beschaffenheit der Riesaer SPD, nein, vielleicht auch Frank-Walter Steinmeier. „Der wird schon richtig sein“, mögen sich in der Partei manche beim Anblick seines Beamtenscheitels gedacht haben.

Aber was soll dieser Ausflug in die Bundespolitik, wo mich mein Freund Lutz „Nudel“ Walther gestern „in den Puff“ eingeladen hat? Er meinte das eher launisch, denn ich kenne gar keinen Puff in Riesa (was nicht viel heißen muss). Hernach erklärte mir anschaulich, warum man auch mit wenig Geld ganz gut auskommt. Positionierte sich und sagte, dass er gerade zwei Päckchen Kaffee gekauft hat und eine Wurst aß. „Da bin ich bei zwölf Euro, mehr kommt heut nicht mehr.“ Leben kann so schön sein, wenn man es rational angeht, so wie mein Freund Lutz.

Im Übrigen kam Lutz auf mich zu, um mir zu danken, dass ich geschrieben hatte, „Nudel ist der größte Riesaer Promi“, noch vor dem Sport und dem Stahl. Die Schlagzeile resultierte aus einer Umfrage der örtlichen Touristen-Information, was Gäste mit Riesa verbinden. Nudeln, Sport, Stahl waren die häufigsten Antworten, Kultur die seltenen, Zündhölzer die gar nicht angekreuzten. In erheblicher Diskrepanz zu den Angaben im gleichen Fragebogen von einheimischer Seite. Zehn Prozent der Riesaer assoziieren ihre Stadt mit den in Polen hergestellten „Riesaer Zündhölzern“. Vielleicht sollte man neben der „Sportstadt“ und „Stahlstadt“ auch noch den Beinamen „Zündelstadt“ etablieren, mögen sich diese zehn Prozent denken. Und schon sind wir bei der NPD.

Da es über die gerade nicht viel zu sagen gibt, außer, dass sie mit einem Stand heute wieder gut verankert auf dem Marktplatz um Liebe wirbt, versuche ich mich ausnahmsweise mal in einem journalistischen Stil, der an Relevanz zu gewinnen scheint (heute tat es erst wieder die Süddeutsche): Kinderjournalismus. Ich erkläre aufgrund fehlender Nachrichtenlage die NPD für kleine Hosenscheißer.

Liebe Hosenscheißer! Ihr kennt die schlaksigen Männer, die immer versuchen, Bushaltestellen anzuzünden, vor eurer Schule Entenmangas und lustige Schulhof-CDs verteilen und häufig im Döner-Imbiss abhängen. Ihre Freundinnen haben ihre Haare meist gar nicht schön. Das ist oft die NPD. Die NPD ist eine Clique, die will, dass alles wie früher ist. Nicht das Früher, von dem eure Eltern so schwärmen, sondern das Früher, von dem eure Großeltern so schwärmen. Einige der Jungs, die Euch Entenmangas andrehen, sitzen an manchen Abenden im Riesaer Kloster. Dort ist Stadtrat, sowas wie das Lehrerzimmer der Stadt. Einige der Jungs sitzen auch noch im Landtag, das ist das Lehrerzimmer von Sachsen. Sachsen, das ist das Land, wo die Züge hinfahren, die ihr immer am Bahnhof seht.

Naja, und jetzt wollen die mit den Entenmangas gerne in das Lehrerzimmer von der Bundesrepublik. Bundesrepublik, das ist das, wo die vielen Wessis wohnen, auf die euer Onkel immer schimpft. Um da (in das Lehrerzimmer) reinzukommen, wollen sie gerne, dass eure Eltern, Großeltern und später auch Ihr bei der Wahl (das ist das, wo die Eltern von einem Drittel eurer Freunde beim letzten Mal mitgemacht haben), die NPD gut finden. Deshalb verteilen sie Entenmangas, fordern die Tötung von Kinderschändern (außer jenen, die Entenmangas verteilen) und wollen, dass alle Arbeit haben (was daran gut sein soll, versteht Ihr später). Und sie sind gegen Ausländer. Ausländer, das ist etwas kompliziert, aber vielleicht kennt ihr das aus dem Fernsehen? In vielen Städten leben die, in Riesa gibt es nur sechs. Naja, und die sollen raus, sagt die NPD, damit die 7000 Arbeitslosen der Stadt sich deren Jobs teilen können.

Uff, gar nicht so leicht, Kinderjournalismus.

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Twitter-Apfel freut sich über Nazi-Enten

August 13, 2009 · 3 Kommentare

Apfel zwitschert. Tja, was soll man von dieser NPD-Pressemitteilung halten? Der Wahlriesaer Holger Apfel hat neue Medien für sich entdeckt, um sich mit „Quotennegern“ auseinanderzusetzen. Twitter also. Hören wir mal kurz rein, 21 Uhr am Donnerstagabend, aktuellster Beitrag: „Für die NPD gilt das Abstammungsprinzip“, verkündet Apfel etwas vorhersehbar. Naja, wurde sowas auch mal getwittert.

Die NPD ist grad stolz wie Bolle, widmen wir ihr also noch ein bisschen Aufmerksamkeit. Der Gemeinderat eines Doofs in der Nähe von Riesa hat es, wie jetzt raus kam, geschafft, dem Riesaer Amtsgericht kraft Vorschlagsliste die liebevolle Schöffin Ines Schreiber unterzujubeln, die gerne mal auf der NPD-Liste für den Gemeinderat von dem Doof kandidiert. Eine ganz eigene Art, Nazis vor Gericht zu bringen, könnte man sagen. Oder eben, wie der ehemalige Bürgermeister von Doof: „Wenn die NPD nicht verboten ist, dann haben wir keinen Grund, an der Legitimation einer NPDin für das Schöffenamt zu zweifeln“. Sagte er so ähnlich.

Jetzt hat die Pressestelle der sympathischen NPD schon ganz blutige Finger vom Pressemitteilungen verschicken. Es wird ein NPD-Schöffe nach dem anderen entartet enttarnt von der NPD vorgestellt, der irgendwo in Sachsen national und nach Volkswillen aburteilt – und schön stolz drauf ist. In Riesa arbeiten derweil die Richterhirne an einem Weg, wie man das Geschenk von Doof wieder abtreibt. Bis jetzt hat die NPD-Schöffin erst eine Verurteilung begleitet, es ging um Diebstahl. Ich meine hier mal, sie hat sich damals für die Todesstrafe eingesetzt, oder wenigstens ähnlich Schariahaftes.

Und weil es der NPD grade zu gut geht, malt man jetzt auch Nazi-Enten. Die Betreffzeile: „Wahlkampfnovum: Sachsen-NPD verteilt spektakuläres Enten-Comic“ lässt den untrainierten Leser ja zumindest erst mal vernehmbar furzen, den geübten Riesa-Journalisten aber nicht mehr. Die national gesinnte und „politisch unkorrekte“ Ente, die die NPD in 30.000-facher Ausfertigung an rund sechs Hektar Kinder verteilen will, beschäftigt sich laut Presseerklärung vom Twitter-Apfel mit Themen wie „kulturelle und ethnische Überfremdung, fehlende Selbstbestimmung, Rechtswillkür und die Manipulation des politischen Bewußtseins durch die Massenmedien“, und das alles „in witzig verpackter Form“. Damit ist diese Ente zumindest, äh, anders als andere Enten.

Um es noch mal klar zu sagen: Ja, die NPD gibt jetzt Enten-Mangas raus, ein Strip heißt übrigens „Enten gegen Hühner“. Ob die Geschichte im Hühner-KZ endet, bleibt Spekulation.

Und jetzt noch ein Shortie aus der Abteilung Watchblog oder „Blogeinträge, wegen denen mich mein Verlag bald feuern wird“. Die Schwester der Sächsischen Zeitung, die Dresdner Morgenpost, meldete gestern im Aufmacher auf der Titelseite, der Leipziger Entertainer Paul Fröhlich sei gestorben. Ich war geschockt. Fast im gleichen Ausmaß wie vor fünf Wochen, als ich das erste Mal von seinem Tod erfuhr.

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